Eisenbahnzeit heißt diejenige Zeit, auf welche die Fahrpläne der Eisenbahnen bezogen sind. In den für das reisende Publikum bestimmten Fahrplänen ist im Deutschen Reiche mit Ausnahme von Baden, Bayern und Württemberg die mittlere Ortszeit angegeben. Für den Eisenbahnbetrieb, ebenso wie für den Telegraphenverkehr, ist es von hoher Wichtigkeit, mindestens innerhalb der einzelnen Verwaltungsgebiete eine bestimmte Normalzeito zu haben. Fährt z. B. ein Zug von Berlin ab in östl. Richtung und hat der Zugführer bei der Abfahrt seine für den Dienstgebrauch bestimmte 4Kursuhry nach mittlerer berliner Zeit Langer, so wird die Angabe dieser Uhr mit jedem ängengrad, um welchen der Zug in östl. Richtung vorrückt, um —4 Minuten gegen die betreffende mittlere Ortszeit differieren. Das Eisenbahndienstpersonal kann sich deshalb nach den für das Publikum bestimmten, die mittlere Ortszeit jeder Station angebenden Fahrplänen nicht richten, es müssen für dasselbe vielmehr besondere, auf eine bestimmte Normalzeiteo bezogene Dienstfahrpläne aufgestellt werden. Um die aus diesen doppelten Zeitangaben für den Reiseverkehr und besonders für den Eisenbahnbetrieb entstehenden Unzuträglichkeiten zu beseitigen, ist in vielen Ländern eine sog. Normalzeit Eeheime welche ebenso wohl für den Eisenbahnverkehr wie für das gesamte bürgerliche Leben maßgebend ist. In Ssterreich-Ungarn wurde zuerst neben der Ortszeit eine Normal-⸗-E. eingeführt. Dieselbe genügte indessen den Anforderungen nicht, und ging man deshalb zur Feststellung einer allgemeinen Normalzeit über. Für Ssterreich wurde die Zeit von Prag, für Ungarn die von Pest als Normalzeit gewählt. Die Differenz zwischen Normal- und Ortszeit beträgt für Osterreich im Westen —14 und im Osten +22 Minuten. Für Ungarn beträgt die Differenz im Westen —19, im Osten + 29 Minuten. In Schweden ist für das ganze Reich seit Anfang 1879 eine Normalzeit eingeführt und dabei ein idealer Meridian zu Grunde gelegt, welcher 3 12“ westlich vom stockholmer Meridian liegt. Die Differenz zwischen Orts- und Normalzeit beträgt für die Westgrenze —16, für die Ostgrenze + 36 Minuten. In Dänemark, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz ist der Meridian der respektiven Hauptstädte der daselbst bereits eingeführten Normalzeit zu Grunde elegt. Für England und Schottland ist der Meridian von Greenwich und für Irland der von Dublin für die Normalzeit gewählt. ankreich rechnet nach pariser und Italien nach röm. Zeit. Für das Deutsche Reich ist die Einführung einer einheitlichen Normalzeit ebenfalls ein dringendes Bedürfnis. Bayern, Württemberg und Baden sind einstweilen für sich vorgegangen und haben für ber Länder auf den Meridian ihrer Hauptstädte bezügliche Normalzeiten eingeführt. Vgl. Centralblatt der Bauverwaltungo, herausegeben im preuß. Ministerium der öffentlichen Arbeiten (1881, Nr. 5, 9, 14, 26) und Zeitung des Vereins deutscher Fl (1880, Nr. 33, 36, 75, und 1881, Nr. 510.