FeedElbing-Oberländischer Kanal
VerkehrBrockhaus 1882

Elbing-Oberländischer Kanal, Kanal in der preuß. Provinz Ostpreußen, verbindet die Seen des Oberlandes auf der Grenze von Ost- und Westpreußen mit dem Drausensee und mit Elbing. Der Kanalbau, in den Kreisen Osterode, Mohrungen und Rosenberg, wurde 1844 begonnen und 1860 vollendet. Die Fahrt aus dem Elbingflusse führt durch ein im Drausensee gebaggertes Fahrwasser zu dem mit 1242,86 m langen Molen versehenen Eingange des Kanals. Dieser steigt vom Drausensee in fünf Schleusen bis Hirschfeld 13,81 m, und von hier in vier geneigten Ebenen bis zur Höhe des Oberländischen Seenplateaus auf. Auf diesen geneigten Ebenen werden die Schiffe und Holzflöße mittels einer zweigleisigen Eisenbahn von 3,27 m Spurweite durch Wasserkraft auf großen eisernen, durch Drahtseile verbundenen Gitterwagen zu Berg und zu Thal gefördert. Die untereinander verbundenen Seen sind sämtlich auf das gleiche Niveau von 99,48 m gebracht. Von dem 16,686 m eingeschnittenen und durch eine Stauschleuse geschützten übergangspunkte über die alte Wasserscheide bei Draulitten beginnt die Fahrt im Pinnau⸗ und Samrodtsee, geht durch kurze Kanalstrecken in den Röthloff⸗, Bärting⸗, Krebs⸗, Hept- und Großen Eilingsee über und gelangt so nach Liebemühl. Von hier führt die obere Schiffahrtslinie westlich durch einen Kanal, der den Abisgarsee in einem 0,94 m höher als der Spiegel desselben fortlaufenden Aquädukt überschreitet, nach dem Duben- und Geserichsee, welcher letztere dadurch in seiner ganzen Ausdehnung südlich bis Deutsch-Cylau, nördlich einerseits bis zum Rotzangsee, andererseits durch den Ewingsee bis Saalfeld aufgeschlossen wird. Eine zweite, 4,08 m tiefer gelegene Schifffahrtslinie wird von Liebemühl durch den kanalisierten und mit zwei Schleusen versehenen Liebefluß im Drewenzsee erreicht, durch dessen ausgedehnte, weit verzweigte Fläche östlich Osterode, Pillauken und der Faltiankensee, westlich aber der Ausfluß der Drewenz zugänglich werden. Die projektierte Schiffbarmachung der letztern würde l die Verbindung mit der Weichsel oberhalb Thorn [! herstellen. Von Osterode aus wird bereits an der Verlängerung des Kanals vom Pausen⸗ und Schillingsee gearbeitet. ů Die gesamte Länge der in dieser Weise erzielten Wasserstraßen ist 195,85 Em, von denen 41,3 km wirkliche Kanäle, 154,42 km Seestrecken sind. Die Kanäle sind im Wasserspiegel 15,036 bis 16,32 m, in der Sohle 7,3 m breit und 1,26 bis 1,57 m tief. Bei der Ausführung wurden durch die Senkung eines Teils der Seen ausgedehnte Ländereien gewonnen. Der Pinnau⸗ 2 Samrodtsee wurden um 8/r m, der Röthloff⸗, Bärting⸗, Krebs⸗, Zopf- und Cilingsee, sowie der liebemühler Mühlteich um 7,85 mbis zum Niveau des Geserich, der auf 99,18 meverblieb, abgelassen. Seit 1873 sind die Einleitungen getroffen, die fünf Schleusen zwischen Hirschfeld und dem Drausensee in eine fünfte geneigte Ebene von 13,51 m Fall umzubauen, um die Durchfahrtszeit abzukürzen. Jede Durchschleusung erfordert nämlich 20—25 Minuten 9j und nimmt 4947—6182 em Wasser in Anspruch, während die eneigte Ebene auf 21,½ m Höhe nur 10 Minuten Zeit erfordert und zum Betriebe höchstens 371 em Wasser bedarf. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 940Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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