FeedElefante
ErdkundeBrockhaus 1882

Elefante (ind. Garapori oder Gharipuri, d. i. Höhlenstadt), kleine Insel an der Westküste Vorderindiens, 11,25 kmeöstlich von dem Hafen von Bombay, wurde von den Europäern wegen des daselbst unweit des Landungsplatzes stehenden kolossalen, aus schwarzen Felsen gehauenen, jetzt sehr verstümmelten Elefanten so benannt. Hier befindet sich auch der berühmte, in Thonporphyrfelsen eingehauene Grottentempel, der ohne die Anbauten 4 m hoch ist, 43 meim Quadrat hält und durch 42 beim Aushauen des Felsens stehen gebliebene Pfeiler und Pilaster gestützt wird. Vor dem Haupteingange steht ein kolossales, 6m hohes Brustbild der ind. Dreieinigkeit (Trimurti), den Brahma, Vischnu und Siva in Einem Wesen darstellend. Die ehedem mit schönem Stuck überzogenen Wände sind ohne Inschriften, aber mit Hautreliefs bedeckt, welche auf den Mythenkreis von Siva sich beziehen. Auf diesen deutet auch namentlich sein Symbol, der Phallus, hin, der in den auffallendsten Darstellungen sich häufig wiederholt. übrigens sind die Darstellungen ausgezeichnet durch Ebenmaß der Glieder und können zum Teil edel genannt werden; die Göttergestalten aber sind sämtlich noch unbekleidet und nur mit Attributen und Ornamenten versehen. Dieser Kunststil verrät das hohe, jedoch nicht näher bestimmbare Alter des Tempels und deutet auf eine Zeit, wo der Sivakultus noch der herrschende war. Jetzt sind diese Grotten eine Wohnung für Tiere, welche hier Kuhlung suchen; der Fußboden ist mit hineingespültem Schlamm und mit Staub bedeckt. Interessant war das zu Ehren des Prinzen von Wales dei seiner Anwesenheit in Bombay im Nov. 1875 in diesem Grottentempel gegebene Festmahl.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 945Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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