FeedElektrische Figuren
TechnikBrockhaus 1882

Elektrische Figuren. Wenn man den Knopf einer elektrischen Verstärkungsflasche (s. El ektrische Kondensatoren), deren innere Belegung positiv elektrisch geladen ist, an der platten Oberfläche einer Harzscheibe entladet und letztere hierauf mit Hexenmehl (Semen lycopodii) aus einem Staubbeutel bestreut, so entsteht (wie Lichtenberg 1777 zuerst gefunden) eine Staubfigur, welche sich durch verästelte Strahlen auszeichnet, wie solche die beistehende Abbildung zeigt. Wird in ganz ähn2 0 tät an einer Harzscheibe entbezüglichen Experimente wurden vielseitig auf verschiedenen Harz⸗ und Glasplatten und mit mannigfaltigen Pulvern abgeändert; stets trat jener Unterschied der positiven und negativen Elektricität in den Staubfiguren auf. Man kann auch an einer Harzplatte positive und negative Elektricität nacheinander entladen, und dann die Platte mit einem von Villarsy (1788) angegebenen Gemenge von Schwefel⸗ und Mennigpulver bestäuben. Beim Durchsieben wird ersteres negativ elektrisch und bedeckt daher die positiven Entladungsstellen. Aus dem gegenteiligen Grunde werden die negativen Figuren vom Mennigstaub gebildet. Im Uustloeren Raum werden die elektrischen Staubfiguren im umgekehrten Verhältnisse zum Barometerstand größer (Reitlinger 1860, Bezold 1871); ihre Größe ist in verschiedenen Gasen, unter sonst gleichen Umständen, eine andere (Reitlinger); sie stimmen (nach Reitlinger) Ice Kuradar mit den Erscheinungen überein, welche Faraday an den elektrischen Büscheln (s. Elektrische Lichterscheinüngen) beobachtete, und sind die fixierten Bilder der elektrischen Entladungen. Bei der Formenverschiedenheit der elektrischen Staubfiguren spielt wahrscheinlich (nach Reitlinger und Bezold) die Bewegung von Luft⸗ und Gasteilchen die Hauptrolle. Auch auf leitenden Flächen erhält man Figuren durch elektrische Entladungen. Hierher gehören die Ringfiguren, welche durch Oxydation entstehen (Priestley 1767, Grove 1852, Rieß 1861), und die neuen Staubfiguren von Kundt (1869). Die elektrischen Figuren dürfen nicht verwechselt werden mit den Cetterschen Bildern (s. d.), welche letztere stets nch Elektrischen Entladungen (s.d.) an einem Modell si erzeugen. Dadurch unterscheiden sich auch die elektrischen Hauchfiguren (s. Elektrische Bilder) von den elektrischen Hauchbildern. Vgl. M. Kuhn, «lüber die Lichtenbergschen Figuren⸗ (Wien 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 9Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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