FeedElektrische
TechnikBrockhaus 1882

Elektrische Zündung kann an leichtentzündlichen Stoffen mittels des Funkens der elektrischen Entladung (s. d.) in verschiedener Weise bewirkt werden. Hier soll vorzugsweise die elektrische Zündung in praktischer Richtung besprochen werden. Man versteht dann unter elektrische Zündun das Anzünden von Sprengschüssen mittels des e ektriscen Funkens oder mittels eines durch den elektrischen Strom erglühenden 110 dünnen Eisen⸗ oder Platindrahts. (S. Elektrisches Glühen.) Die elektrische gündung wirkt aus unvergleichlich weiterer Entfernung viel sicherer, schneller und, wegen der Gleichzeitigkeit piet Dure sich unterstützenden Sprengungen, auch viel durchgreifender und vorteilhafter als die Zündung mittels der eigens präparierten Zündschnüre; sie wird daher in neuerer Zeit vielseitig angewendet zum Entzünden von Minen und mittels dieser zum Sprengen alter Stadtmauern u. dgl., der Felsen und des Gesteins in Bergwerken, der unter Wass er befindlichen Riffe, des Erdreichs (Sprengkultur), ferner zum gleichzeitigen Anzünden vieler Flammen, Signalbüchsen, Raketen u. s. w. Da das gewöhnliche Schießpulver sich nur sehr unsicher auf direktem Wege durch den elektrischen Funken entzünden läßt, so versuchte man es mit Mengungen von Schießpulver und Knallsilber, mit Phosphorpräparaten, mit Knallquecksilber u. dgl. m. Bewährt für die elektrische Zündung hat sich ein Pulver, das aus gleichen Gewichtsteilen Schwefelantimon und chlorsaurem Kali besteht. Wird dieses Pulver in einen Zünder gefüllt und der elektrische Funke einer Leidener Flasche insolae führt, so entzündet es sich augenblicklich und infolge dessen auch das Sprengschießpulver, die Schießbaumwolle, das Dynamit u. dgl., welche den elektrischen Zünder mittels einer Patrone umgeben. Die für elektrische gündungen bestimmten Elektrisiermaschinen werden kompendiss, leicht tragbar, verbunden mit einem Kondensator und verschlossen gegen die schädliche Feuchtigkeit der Luft angefertigt. Die Glaskörperteile der gewöhnlichen Clektrisiermaschine (s. d.) sind bei denselben und ihren Kondensatoren (Leidener Flaschen), um der Zerbrechlichkeit vorzubeugen, weggelassen und durch andere aus vulkanisiertem Kautschuk (Ebonit) ersetzt. Die ersten verläßlichen Sprengmethoden auf weitere Strecken mittels des elektrischen Funkens stammen von Shaw (1831), Gätzschmann (1842) und C. Winter (1845). Für militärische Zwecke hat Ebner (1856) die elektrische Zündung ausgebildet. Das Anzünden von Sprengschüssen mittels eines galvanisch erglühenden, sehr feinen und kurzen Eisen⸗ oder Platindrahts wurde zuerst vom russ. Geniekorps (1829) und dann von Hare (1834) versucht. Die Gleichzeitigkeit des Zündens mehrerer Schüsse ist besonders bei großen Entfernungen mittels galvanischen Glühens nicht so sicher wie mittels des elektrischen Funkens. Den elektrischen Strom für den galvanisch erglühenden Eisendraht liefern entweder großplattige, galvanische Batterien oder . und dynamoelektrische Induktionsmaschinen. Die letztern, sowie (seit 1853) der Ruhmkorffsche Funkeninduktor (s. d.), können auch zum Zünden mittels des elektrischen Funkens benutzt werden. Sehr einfach und kompendiös sind die magnetoelektrischen Induktoren für die elektri-Ma undung mittels des elektrischen Funkens von arkus (seit etwa 1864, Breguet, Siemens u. a.); sie sind noch auf große Entfernungen wirksam. Hierzu ist aber notwendig, daß die obengenannte elektrische Zündmasse durch einen geringen Zusatz (etwa ein Fünftel) eines halbleitenden Erzes, z. B. Schwefelblei, Schwefelkupfer u. dgl., für die elektrische Zündung empfindlicher gemacht werde. Die höchst empfindliche Abelsche Zündmasse besteht aus 4 Teilen Phosphorkupfer und 7 Teilenschlorsaurem Kali. Die elektrische Zündung kann auch bei den Seeminen (Torpedos) die Explosion dadurch hervorrufen, daß der Stoß des feindlichen Schiffs gegen einen der am Torpedo im Kreise liegenden Puffer die Berührung der Batteriepole, mithin das Erglühen eines in der Sprengladung liegenden kurzen Eisen⸗ oder Platindrahts, bewirkt (Ebner 1859). Über elektrische Zündung vgl. Notizen über neuere kriegstechnische Gegenständes (Wien, Staatsdruckerei, 1871) und „Die Sprengtechnik (Wien 1881, Bureau für Sprengtechnik).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 28Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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