FeedEleusis
ErdkundeBrockhaus 1882

Eleusis, Stadt in Attika, an der danach benannten Bucht, gegenüber der Insel Salamis, nordwestlich von der Stadt Athen, mit welcher sie durch die sog. heilige Straße verbunden war, gelegen (jetzt ein kleines Dorf Levsina), war im Altertum besonders berühmt wegen des geheimen Gottesdienstes der Demeter und Persephone, den man nach dem Namen des Ortes die Eleusinischen Mysterien (Geheimnisse) nannte. Sie waren die ehrwürdigsten in Griechenland. Ihre Stiftung wird von der Tradition in die mythische Zeit ver⸗ — und auf Demeter selbst zurückgeführt. Urprünglich wurde hier wohl von den Bewohnern von E. unter der Leitung einzelner vornehmer Geschlechter ein Erntefest gefeiert, um der Demeter für die verliehenen Früchte zu danken, des alten rohen Zustandes vor der Einführung des Ackerbaues zu edenken und des gegenwärtigen sich zu erfreuen. it der Zeit wurden hierauf die Anfänge der Myder vo von den Eleusiniern begründet, dann, nach er von Athen bewirkten Vereinigung der attischen Landschaften, von den Athenern weiter ausgebildet, besonders aber zur Zeit der Herrschaft der Pisistratiden durch den Einfluß der sog. Orphiker der Kultus durch Einführung dionysischer Elemente bereichert und seinem Inhalte nach vertieft. Zur Zeit des Perikles wurde nach dem Plane des Baumeisters Iktinos zu E. ein sehr geräumiger, fast quadratischer Bau, von einem doppelten Vorhofe (Peribolos) umgeben, für die Mysterien erbaut. Die dan der Eleusinien, an welcher bei Todesstrafe ein Uneingeweihter teilnehmen durfte, fand im Herbst vom 15. bis 25. Bödromion (zur Zeit unsers September oder Oktober) statt. er zur Einweihung zugelassen werden wollte (jeder freigeborene Grieche konnte zugelassen werden), mußte zunächst eine Art Vorkursus durchmachen durch die Einweihung in die sog. kleinen Mysterien, welche um die Zeit des Beginns des Frühlings in Attika vom 19. bis 21. Anthesterion (Ende Februar oder Anfang März) in Agrä, einer am linken Ufer des Ilissos gelegenen Vorstadt Athens, gefeiert wurden. Ein Jahr nach der Aufnahme in die großen Mysterien konnten die Eingeweihten (Mystai) zu dem höhern Grade der Weihe, dem der Epoptai, d. i. der Schauenden, zugelassen werden. Nach verschiedenen Vorfeiern, wozu namentlich gehörte, daß man an die See zog und dort Reinigungsbäder nahm, zogen die zur Feier Zugelassenen (ausgeschlossen waren durch öffentliche Verkündigung die, deren Hände und Herzen nicht rein und die nicht Griechen waren) am 19. Bödromion mit dem Bilde des jugendlichen Bakchos (Jakchos genannt) in einer großen mit vielen Ceremonien verknüpften Prozession den vier Stunden langen Weg nach E., woran sich am 20., da nach attischer Rechnung der neue Kalendertag nicht erst mit Mitternacht, sondern gleich nach Sonnenuntergang begann, eine nächtliche Feier mit Tanz und Gesang anschloß. ö Die ganze Feier, welche selbst auch Jakchos genannt wurde, eröffnete die Reihe der Abeh Festtage in C. (vom 20. bis 23. Boädromion), bei welchen dann, wohl in zwei verschiedenen Nachtfeiern, die Einweihung zu dem ersten und zu dem zweiten Grade der Weihe stattfand. Diese Feierlichkeiten in E., bei welchen vier aus bestimmten Geschlechtern gewählte priesterliche Würdenträger (der Hierophantes, der Daduchos, der Hierokeryr und der Altarpriester, denen weibliche Priesterinnen, namentlich eine Hierophantin zur Seite standen) eine Hauptrolle spielten, bestanden hauptsächlich in Darstellungen der Geschichte der Demeter und Persephone, der Qualen des Tartarus und der Freuden des Elysiums, und waren in der That dazu 9e Vorf über den Volksglauben erhabene religiöse Vorstellungen, namentlich über die Unsterblichkeit der Seele, unter den Teilnehmern zu verbreiten. Die Eingeweihten glaubten, sie ständen unter der Götter besonderm Schutz und sie allein seien der Freuden des künftigen Lebens gewiß. Mündliche Belehrungen, d. h. Mitteilung von bestimmten Glaubenssätzen, scheinen, abgesehen von einigen durchaus in mythische Form gekleideten Geheimlehren, nicht stattgefunden zu haben. Die Geheimhaltung alles des bei der Feier Geschauten und Gehörten war den Eingeweihten bei den schwersten Strafen geboten; jede Störung oder Verhöhnung der Feier wurde vom Staate, unter dessen speziellem Schutz die Mysterien standen (der zweite Archon, der Basileus, hatte nebst einigen vom Volke gewählten Epimeleten die Oberleitung der ganzen Feier), aufs strengste geahndet. Vgl. Lobeck, «Aglaophamus » (Königsb. 1829); Preller,«Demeter und Persephoney (Hamb. 1837); A. Mommsen, «Heortologie. Antiquar. Untersuchungen über die städt. Feste der Athenerv (Lpz. 1864). E logie (grch.), Lehre von der Willensfreiheit. El nomie grch.), Gesetzgebung des freien Willens.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 46Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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