FeedEllöra
ErdkundeBrockhaus 1882

Ellöra, Clora oder Ilur, Dorf im Dekan in Vorderindien, 11 km nordwestlich von Dauletabad und 21 km nordwestlich von Aurengabad im Ghatgebirge gelegen und zum Staate des + f gehörig, ist seiner in einem neben dem Dorfe gelegenen, fast halbmondförmigen Granitberge ausgehöhlten großartigen Tempelgrotten wegen weit berühmt. Die Zahl derselben ist nicht genau ermittelt, doch zählt Erskine 19. Haupttempel. Die südlichen sind buddhistisch, die mittlern brahmanisch, die nördlichen werden für Dschainatempel gehalten. Bei ihrer Ausführung handelte es sich darum, sowohl die Haupttempel wie eine Menge von Nebenhallen mit unzähligen Bildsäulen, Reliefs, Ornamenten, Sälen, Galerien, Treppen, Brücken, Säulen, Säulengängen, Friesen, Obelisken, Kolossen von innen und von außen aus dem lebenden Felsen zu hauen, sodaß nichts aus einzelnen Stücken len viesen Tomwurde. Der bedeutendste unter allen diesen Tempeln ist der Kailasa. Bei seinem Eingange unter einem Balkon tritt man in eine Vorhalle von 46 m Breite und 29 m Tiefe mit vielen Säulenreihen und Nebenkammern. Von hier gelangt man durch einen Säulengang über eine Brücke in eine Grotte von 82 m Länge und 50 m Breite, in deren Mitte man eine Felsmasse stehen ließ, auf der man das eigentliche Heiligtum ausmeißelte. Vier Reihen Pilaster mit kolossalen Elefanten tragen den ungeheuern Felsblock, der so zu schweben scheint. Die Höhlung im Innern desselben ist 34 mlang und 18 mbreit, aber nur 5 m hoch, denn über ihr ist aus dem Felsen eine Pyramide von 33 m Höhe geschnitten, die man, wie alle Wände der Höhle, mit Bildwerken überladen hat. Vom Dache dieses mit einer aus dem Felsen gehauenen Galerie umgebenen Monolithentempels gingen Brücken zu andern Seitengewölben. In der größern Aushöhlung findet man Teiche, kleinere Obelisken, Säulengänge und Sphinxe, an den Wänden aber Tausende von Bildsäulen und mytholog. Darstellungen, deren Gestalten 3—4 m Höhe haben, angebracht. Die andern Tempelgrotten, wie der kleinere und der größere Temvel des Indra, des Dschagannatha u. s. w., geben dem Kailasa nur wenig nach. Über Alter und religiöse Bestimmung dieser Tempel ist man noch nicht einig; jedenfalls müssen sie jünger sein als die Epen Ramayanap oder Mahabharatav, weil Darstellungen aus diesen Gedichten enthalten, sie und auch jünger als die Tempelgrotten auf Elefante und Salsette, weil sich in ihnen eine viel reichere Kunst zeigt. Vgl. Langles, Monuments anciens et modernes d'Hindoustan (Bd. 1, Par. 1821).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 68Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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