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ErdkundeBrockhaus 1882

Elton, Salzsee im russ. Gouvernement Astrachan, 100 km nordöstlich von der Kreisstadt Zarew. Der See ist von ovaler Gestalt, 200 qlem groß, von WSW. nach ONO. 23 km lang, 17 kmbreit. Er liegt in der Kirgisensteppe, die sich zwischen der Wolga und dem Uralfluß ausdehnt, und gehört zu den merkwürdigsten Gegenden des kaspischen Tieflandes. In einer weit ausgedehnten Steppenfläche, deren Boden aus verschiedenen Thonarten und Sand besteht, und der an vielen Stellen so von Salz durchdrungen ist, daß er Salzlachen und Salzmoore bildet, dabei eine spärliche Vegetation von Salzpflanzen, meist Salsola Kali, Salsola Soda u. a. aufzuweisen hat, dehnt sich der Spiegel des Sees aus, dessen Ufer von einer weißen Salzdecke überzogen sind. Von verschiedenen Seiten her ergießen sich acht Bäche in den E., die ihm auch salzhaltiges Wasser zuführen. Einen Abfluß besitzt er nicht. Die Tiefe des E. beträgt durchschnittlich nur einen halben Meter, daher kann er nur von sehr slachen Booten befahren werden. Der Boden des Sees besteht aus einem steinharten Salzlager, dessen Tiefe noch nicht ermittelt worden ist, da das steinharte krystallisierte Salz äußerst schwer herauszubrechen ist und man nie tiefer als höchstens 4½ m hat eindringen können. Das von Salz gesättigte Wasser des E. wird Rapa genannt. Die in der Rapa eine Minute lang gehaltene Hand bedeckt sich mit einer zarten Salzkruste und hinterläßt das Gefühl, als ob sie in siedendem Wasser gewesen wäre. Ein in das Wasser getauchter Stock oder Faden bedeckt sich schnell mit Salzkrystallen. Die Rapa enthält eine Beimischung von einem feinen Schlamme, welcher von den Flüssen hauptsächlich im Frühling bei Hochwasser in den See geführt wird. Daher hat das frisch gebrochene Salz das Aussehen von schmutzigem Eise, wenn es aber einige Monate lang den Einwirkungen der Sonne und freien Luft ausgesetzt worden ist, so ist es vollständig von den Schlammteilchen gereinigt. Meist läßt man das Salz ein Jahr lang am Ufer, worauf es glänzend schneeweiß erscheint, zum Gebrauch voll—⸗ kommen geeignet ist und einen angenehmen Geschmack besitzt. Wahrscheinlich infolge der Beimischung des gelblichen, aus Thon bestehenden Schlammes, erscheint der E. in reflektiertem Kichte in einem eigentümlichen goldfarbenen Schimmer, weshalb die Kalmücken diesen See ehemals Altan-Nor, d. h. Goldener See, nannten, woraus später das an Wort E. entstand. Bis 1865 befand sich die Salzproduktion in den Händen der russ. Krone, wurde dann aber an Privatpersonen verpachtet, was zur Folge hatte, daß die Produktion sich mehr als verdoppelte und jetzt jährlich 5500 000 Ctr. beträgt. Die Anwohnerschaft des E. besteht nur aus den Arbeitern bei der Salzproduktion, die sich hier nur für die Sommerzeit aufhalten und deren Zahl sich über 1500 beläuft, und aus einem Kosakenpikett ur Bewachung des Salzes. Wenige traurige Lehmhutten bilden die Behausung dieser Leute. Im Sommer werden die häufig mit dichtem Schilf bestandenen Ufer des Sees und der einmündenden Bäche von zahlreichen Schwimmvögeln und Wasserhühnern belebt. Das Wasser des E. gefriert aber auch im strengsten Winter nicht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 85Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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