FeedElyseée
BaukunstBrockhaus 1882

Elyseée, früher Elysee⸗-Bourbon, einer der stattlichsten altadeligen Paläste in Paris, zwischen der Straße des Faubourg St.⸗Honoré und den Elyseischen Feldern, 1718 von dem Architekten Molet für den Grafen von Evreux gebaut, wurde aufeinander folgend von der Marquise von Pompadour, dem Financier Beaujon, der letzten Herzogin von Bourbon und, nachdem während der roßen Revolution hier die Regierungsdruckerei sich besand, 1803—8 von Murat bewohnt; 1816 wohnte darin der Herzog von Berri, und sein Sohn, der jetzige Graf Chambord, besaß es 1820—30. Seitdem bildete der Palast einen Bestandteil der franz. Staatsdomäne; er diente 1848—52 als Residenz Ludwig Napoleons und hat seit 1871 dieselbe Bestimmung für den Präsidenten der Republik. Der Palast grenzt mit dem dazu gehörigen schönen Garten an die Champs-⸗Elysées, ein von Maria von Medici und unter Ludwig XV. angepflanztes Lustwäldchen, das unter dem zweiten Kaiserreich nach engl. Gartengeschmack umgeändert wurde, und schon seit langer Zeit ein Haupttummelplatz der Pariser war. Die Seine und das Stadtviertel von Chaillot an der linken Seite, und rechter Hand die beiden Vorstädte St.⸗Honoré und Le-Roule bilden die ungleiche Grenze dieser Elyseischen Felder. In der Mitte läuft ein gerader, breiter Weg, der nach dem Boulogner Holz, nach Neuilly und andern nahen Orten des Vergnügens und Landaufenthalts führt und vom frühen Morgen an höchst belebt ist. Der prächtige Weg, eine der Hauptzierden, der Elyseischen Felder, schneidet diese in zwei ungleiche Hälften, von welchen die Mode die kleinere zur Rechten in Beschlag genommen hat. Man findet zu gewissen Stunden denselben Menschenzusammenfluß wie auf dem Boulevard, aber gemischter. Eine Reihe kleiner deriwichteuge mit Lebkuchen, Limonade und Kinderspielzeug, Puppentheater, Schaukeln, Karussells und dergleichen Spiele, Musikhäuser mit Sängern und Sängerinnen in freier Luft geben dieser Seite das Aussehen eines stehenden Jahrmarkts. Die daranstoßenden Gärten der großen alten Herrenhäuser des Faubourg St.⸗Honoré sind zum Teil von parkartiger Größe und machen das Ganze sehr angenehm und fast romantisch. Kaffeehäuser und Restaurants sind auf beiden Seiten in reichlichem Maße vorhanden, und mehrere H4 Schauspielhäuser, der Sommercirkus, das Panorama u. s. w. vollenden den Apparat der Vergnügungsanstalten. Auf einem großen freien Platze an der linken Seite befindet sich der Industriepalast von w1855. Vom Rond-Point an sind die Elyseischen Felder nur noch eine von doppelten Baumreihen u Seien Avenue, mit prächtigen Häusern zu beiden Seiten, bis zum Triumphbogen de l'Etoile, auf den sie gerade zuläuft.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 89Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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