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TechnikBrockhaus 1882

Email, ital. smalto, frz. émail, zu deutsch Schmelz, alles der Bedeutung und der Abstammung nach dasselbe Wort und von den ursprünglichen Formen des deutschen Wortes «schmelzenv abzuleiten. E. ist eine verglaste oder glasige und gefärbte Schmelzmasse, die dazu dient, entweder Metall oder Gebilde aus gebrannter Erde zu bestimmtem Zwecke zu überziehen. Im eigentlichen und engern Sinne versteht man unter E. nur die Schmelzmasse für Metall, und nur in diesem Sinne oll hier davon die Rede sein. Das E. hat bei etallgefäßen auch wohl den Zweck, sie in ihrem Innern damit zu überziehen, um sie bei dem Gebrauche und in Berührung mit Flüssigkeiten vor der Orydation zu sichern und dadurch giftige Wirkungen zu hindern; die weitaus wichtigste und interessanteste Anwendung, die eine ganze Geschichte hat, ist aber die in der Kunstindustrie zu dekorativen Zwecken. Das E. hat bei künstlerischen Metallarbeiten, seien sie in edelm oder unedelm Metall, die Aufgabe, sie farbig zu schmücken, ihnen Umu dekorative Wirkung zu geben. In solcher lnwendung kennt das E. schon die älteste Metallkunst, die ägyptische, sowohl für Gold wie für Erz. Beispiele sind selten, aber sicher; man findet sie 90 in den Louvresammlungen und in München. uch die griech. Goldschmiedekunst kannte dasselbe; verschiedener antiker Goldschmuck, z. B. im Neuen Museum in Berlin, zeigt die deutlichsten Spuren, die sich als wirkliches und echtes, aufgeschmolzenes C. erwiesen haben, obwohl röm. Schriftsteller der Kaiserzeit die Technik als griech. oder italische Arbeit nicht mehr zu kennen scheinen. Eine regelmäßige Entwickelungsgeschichte des E. beginnt mit der byzant. Kunst. Hier wurde im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung und wohl noch später diejenige Technik des E. geübt, die man gewöhnlich Email cloisonné, deutsch Zellenschmelz, nennt. Auf eine Metallplatte werden zarte biegsame Goldbänder so mit der Kante aufgelötet oder vorläufig mit Wachs befestigt, daß sie die Contouren einer gewünschten Zeichnung ergeben. In die so entstandenen Vertiefungen (eloisons, Zellen) wird das mit Metalloxyden gefärbte, etwas ange-Durz l Schmelzpulver gethan und die Platte soann über das Feuer gehalten, bis die Masse geschmolzen und angeschmolzen ist. Der Prozeß wird wiederholt, bis die nötige Höhe des E. erreicht ist, dann dieses kann nach d und poliert. Die gefärbte Masse kann nach der Schmelzung transparent (durchscheinend) oder opak (undurchsichtig) sein. Dieser byzant. Zellenschmelz ist sehr feine lrbeit, stets auf Gold und sehr selten. Ein Hauptbeispiel die Pala d'oro in San-Marco zu Venedig. Ihr gegenüber erblühte nach dem J. 1000 im westl. Europa eine zweite Art, das Email champlevé oder Grubenschmelz, entweder auf byzant. Anregung oder als Tradition heidnischer Werkstätten und heidnischer Bronzearbeiter. Diese zweite Art ist stets auf Erz oder Kupfer und unterscheidet sich daia dem Zellenschmelz, daß die Vertiefungen zur Aufnahme der Schmelzmasse durch den Grabstichel aus der Tiefe der dickern Metallplatte herausgegraben werden; daher Grubenschmelz oder champlevé, herausgehobenes Feld. Was von der Oberfläche stehen bleibt, ist Contour oder Grund und wird vergoldet. Blütezeit dieser Technik sind das 12. und 13. Jahrh., Hauptstätten der Fabrikation zuerst Köln, dann Trier und andere rheinländ. Orte; danach kam die Fabrikation nach Limoges, woher sie auch wohl (in dieser Art aber mit Unrecht) als limosiner E. oder kurzweg Limoges bezeichnet wird. Zahlreiche und großartige Beispiele in Reliquiarien, Crucifixen, Gefäßen finden sich in vielen rhein. Städten (Schrein der heiligen Drei Könige in Köln, Karls d. Gr. in Aachen), im Reliquiarienschatze des Herzogs von Cumberland zu Wien (ehemals in Hannover) und fast in allen Museen. Spätestes Beispiel von Bedeutung ist der sog. Verduner Altar in Klosterneuburg bei Wien. Im 14. Jahrh. trat an die Stelle des Grubenschmelzes eine neue dritte Art, das durchsichtige oder translucide E. auf reliefartig gravierter Silberplatte. In kleine Platten wurde die meist figurliche 1 sehr sla so graviert oder geschnitten, daß sie ein sehr flaches, aber scharf contouriertes Relief bildete und die ganze Fläche mit verschiedenfarbiger, durchsichtiger Schmelzmasse überzogen. Wo die Schicht dünner war, glänzte das blanke Silber durch und gab die Lichtpartien; an den tiefern Stellen sammelte sich das E. dichter und gab so die dunklern Schatten. Wirkung und Technik waren äußerst Maso Ital. Goldschmiede des 15. Jahrh., z. B. Maso Finiguerra (Beispiele u Florenz im Bargello und im Ssterreichischen Museum in Wien) brachten sie zur höchsten Vollendung. Die vierte Hauptart ist das sog. Maler⸗ oder ll. malte E., dessen Blütezeit in das 16. 5 saht fällt, besonders in die zweite Hälfte. Dieses führt mit Recht den Namen Limoges, denn in dieser Stadt hatte es ganz vorzugsweise seinen Sitz. Die Technik besteht in einem vollen Emailüberzug über beide Seiten des Gefäßes, auf das E wird gemalt wie auf einen andern Grund und die Farbe eingebrannt. Zahlreiche Gefäße dieser Art existieren noch in den Museen und Sammlungen, ausgezeichnet ebenso durch die Emailmalerei wie durch die schönen Renaissanceformen; auch Tafeln mit Porträts und figürlichen Scenen, insbesondere biblischen und religiösen Inhalts. Die schönsten sind zum Teil bloß en grisaille, oder mit Hinzufügung des Fleischtons; andere sind von außerordentlicher Schönheit in den Farben und glühend durch hinzugefügte transparente Farben, die mit Gold oder Silber unterlegt sind. Die Hauptkünstler sind Pierre Reymond, Jean Courtais, Leonard Limousin u. a. Man unterscheidet mehrere Perioden. Im 17. Jahrh. geriet diese Emailart schon in Verfall. Sie wurde dann durch Emailmalerei auf weißem Grunde abgelöst, welche bei Uhren, Dosen und Medaillons (Frankreich, l Schweiz, Deutschland) ihre Hauptanwendung fand.. Es war Miniaturarbeit. Ihre Blütezeit fällt in das 18. Jahrh. Ihr gehört auch Petitot an mit seinen Miniaturporträts in E. auf Goldplatte. Er arbeitete unter Ludwig XIV. In der Periode der Renaissance gab es noch einige Nebenarten, die in der Goldschmiedekunst angewendet wurden und rein dekorativer Natur sind. Die Goldschmiede bedeckten einzelne Teile des Goldschmucks, auch Figuren, mit farbigem Schmelz, um dem Ganzen koloristische Wirkung zu geben. Diese Art war überall und sehr viel geübt; in Deutschland noch spät von Dinglinger (Gegenstände im Grünen Gewölbe in Dresden). Dann legte man translucides E. in gravierte Vertiefungen auf Silber⸗ und Goldplätten und erzielte dadurch mit Vögeln, Blumen und stilvollem Ornament eine reizende Wirkung (D. Attemstetter in Augsburg um 1600). Das E. fristete seine Existenz im 19. Jahrh. anfangs nur durch Anwendung auf Uhren; erst später ist es fast in allen seinen Arten wieder aufgelebt, und zwar durch doppelte Anregung. Zuerst geschah es durch die angestrebte Reform der kirchlichen Goldschmiedekunst. Diese rief die mittelalterlichen Arten wieder hervor, benutzte auch die dekorativen Arten der Renaissance; Hauptstätten dafür sind heute Aachen, Köln, Wien, Mecheln, Brüssel, auch Lyon und Paris. Sodann kam ein neuer Anstoß durch altchines. Kupfergefäße mit Emailcloisonné, die nach der Eroberung von Peking durch die Engländer und Franzosen in großer Anzahl nach Europa kamen. Sie ermutigten pariser und londoner Fabrikanten zu ähnlichen Arbeiten, die jetzt als Lampen, Vasen, Kumt Crucifixe, Becken u. s. w. einen bedeutenden Kunstindustriezweig bilden (Hauptfabrikanten Barbédienne, Christofle, Elkington; in Berlin Sußmann und Ravenet). Auch die Chinesen und Japaner beginnen infolge der Nachfrage diese alte, bei ihnen vergessene Emailart wieder aufzunehmen; die Japaner machen selbst Zellenschmelz auf Porzellan, eine früher ungekannte Art. Die Indier dagegen leisten heute das Vorzüglichste in dekorativem, besonders translucidem E. auf Goldschmuck. Diese Art dringt auch in den europ. Schmuck neuerdings wieder ein. Endlich ist auch das Maleremail von Limoges wieder versucht worden, in Paris von Potier, in Wien von Macht. Vgl. Labarte, Recherches sur la peinturé en émail dans 'antiquité éet au moyen äge (Par. 1856); Bucher, „Geschichte der technischen Künstey (Stuttg. 1875 fg.). [Schmelz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 92Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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