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ErdkundeBrockhaus 1882

Embach, Fluß im Gouvernement Livland, von den Esten Emma-⸗Jöggi, d. h. Mutterfluß, da er der größte Fluß ihres Landes ist, von den Letten Mehtra genannt. Man unterscheidet: den Obern E. und den Untern oder Großen E. Der Obere E. entsteht im Kreise Werro in dem kleinen Ghes Bor-Ledla. Bei Igast, an der Grenze des Kreises Dordet vereinigt er sich mit der Korwa und Jerro, bilet fortan die Grenze zwischen den Kreisen Dorpat und 4½7 und nachdem er im allgemeinen einen nördl. Lauf zurückgelegt hat, fällt er bei der Langen Brücke, wo 1705 zwischen Schweden und Russen ein hitziges Gefecht stattfand, in das Südende des Sees Wirz-Järw. Der Obere E. ist 92 km lang und wird in einer Ausdehnung von 34 km von Booten befahren, doch nur im Frühling. Vor der Mündung des Obern E. liegen fünf Juseln, auf einer derselben befindet sich eine alte schwed. Schanze. Der Große oder Untere E. entströmt dem Nordostwinkel des Wirz-Järw, und fließt im allgemeinen in östl. Richtung dem Peipussee zu. Die Länge des Untern E. vom Wirz-Järw bis zum Peipus beträgt 126 km, seine Breite 42—93 m. Unweit der Mün⸗ * erweitert er sich noch mehr, und fällt der Insel Porka oder Pirissar schräg gegenüber in zwei Armen in den Peipus. Einer derselben ist ein zu Peters des Gr. Zeiten gegrabener, noch jetzt nach ihm benannter Kanal von 20 m Breite und 2 m Tiefe, angelegt um das schwierige Einlaufen der Fahrzeuge durch die krumme natürliche Mündung zu erleichtern. Die Tiefe des Untern E. ist selten unter 1/ m, seine Strömung keine starke. In frühern Zeiten fand man bei Igast und vor Dorpat Untiefen, welche jedoch gelichtet worden sind. Die nächsten Uferumgebungen des E. bestehen meistenteils aus Wiesen, die fast jeden Frühling mehr oder minder unter Wasser gesetzt werden; bisweilen sind selbst in der Stadt Dorpat die Überschwemmungen am linken Ufer beträchtlich. Der Fluß ist fischreich, hat aber ein trübes, ungesundes Wasser, das namentlich den Bandwurm erzeugen —. Der E. geht gewöhnlich in der zweiten Hälfte des März auf und gefriert in den letzten Tagen des November oder im Anfange Dezember; er wird von vier Dampfschiffen befahren, welche hauptsächlich den Verkehr zwischen Dorpat und Pskow vermitteln.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 95Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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