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ErdkundeBrockhaus 1882

Ems, zur Unterscheidung von andern gleichnamigen Orten gewöhnlich Bad Ems genannt, ein schon den Römern bekannter, in Deutschland seit Mitte des 14. Jahrh. berühmter Badeort im Unterlahnkreise des Regierungsbezirks Wiesbaden der preuh. Provinz Hessen-Nassau mit (1880) 6943 (3902 Evangelische, 2865 Katholiken, 176 Juden) C., in einem reizenden, von der schiffbaren Lahn durchzogenen und von waldreichen Bergen und Rebenhügeln umkränzten, tief und scharf eingeschnittenen Thale, an der Linie Frankfurt a. M.⸗Oberlahnstein-Wetzlar-Lollar der Preußischen Staatsbahn, in 74 m Höhe, 13 km oberhalb der Mündung der Lahn in den Rhein, nahe den schönsten Gefilden des Rheins. E. ist Sitz eines Amtsgerichts Gum Landgerichtsbezirk Limburg a. d. Lahn), hat ein Realprogymnasium, einen Vorschuß⸗ und Kreditverein, eine Blei⸗ und Silberhütte (Emserhütte), ansehnlichen Bergbau und Kalkbrennerei. — Bad E. mit dem Kursaal und Dorf Ems liegen auf dem rechten, dagegen Spieß-Ems und das neue Badehaus auf dem linken Uger her. Vier Brücken stellen die Verbindung beider Ufer her. E. hat eine evang. und eine kath. Pfarrtirche, eine engl. und eine griech. Kapelle. Die warmen Mineralquellen des Ortes gehören zu der Klasse der natronhaltigen Thermen. Die bekanntesten davon sind die Kränchenquelle, der Kesselbrunnen, die Eisensteinquelle, die Neue Quelle, der Fürstenbrunnen, die Augustaquelle und die Victoriaquelle, deren Wasser an der Quelle getrunken und jährlich in etwa 2 Mill. Krügen versandt wird. Außerdem bestehen viele zu Bädern benutzte Quellen, die, besonders seitdem auf dem linken Ufer der Lahn Quellen gefaßt wurden, einen unerschöpflichen Wasserreichtum darbieten. Alle Quellen, sowohl Trink⸗ wie Badequellen, unterscheiden sich wesentlich nur durch ihre verschiedene Temperatur, von 22—38 R., sowie durch ihre größere oder geringere Menge kohlensauren Gases. Chemisch untersucht wurden dieselben von Kastner, Trommsdorff, Struve und genauer von Fresenius. Die Quellen von E. werden mit Erfolg angewendet bei chronischen Nervenkrankheiten, Leiden der Respirationsorgane, Stockungen in der Leber, Krankheiten der weiblichen Genitalien u. s. w. Die Badeanstalten, meist im —— des königl. Domänenfiskus, sind in neuerer Zeit sehr gut eingerichtet worden, ebenso auch die Gasthöfe und ½% zur Aufnahme der Fremden. Der jährliche Fremdenverkehr beträgt 11000. E. stand bis 1803 unter gemeinschaftlicher Oberhoheit von Hessen-Darmstadt und Nassau und siel 1803 Nassau allein zu, bei dem es bis 1866 blieb. Historisch merkwürdig ist E. durch die Emser Punktation (s. d.) von 1786 und durch die Unterredung des Königs Wilhelm von Preußen mit dem franz. Gesandten Benedetti vom 13. Juli 1870, die nebst der span. Thronkandidatur des Prinzen von Hohenzollern von der franz. Regierung als Vorwand zum Deutsch-Französischen Kriege von 1870/71 (s. d.) benutzt wurde. Vgl. Henninger, 4Bad E. mit seinen Umgebungen » (2. Aufl., Darmst. 1864); Döring, „Bad E.» (Berl. 1869); derselbe, „Die König-Wilhelms-Felsenquellen zu Bad C.» (Berl. 1874); Orth, «E. und seine Heilquelleny (Ems 1873); Vogler, 4«E., seine Heilquellen, Kureinrichtungen wie mebiz. Anwendunap (4. Aufl., Ems 1873). Emscher (Embscher), ein rechtsseitiger Nebenfluß des Rheins in den preuß. Rheinlanden, entspringt bei Rausingen nördlich von Schwerte (Regierungsbezirk Arnsberg der Provinz Westfalen) in 129 m Höhe über dem Meere, 8 km von der Ruhr und 6 km östlich vom Bahnhofe Aplerbeck auf dem Nordabhang des Ardei, fließt zuerst nach W. an Hörde (94 mehoch) vorbei, wendet sich darauf nach N. und umgeht damit in weitem Bogen Dortmund im W., bis er bei Mengede seine ursprüngliche Richtung nach W. wieder aufnimmt und mit geringer südl. Abweichung zum Rhein geht, in den er nach einem Laufe von 98 km bei Alsum (20 m hoch), 8 EKm unterhalb Ruhrort, mündet. Er bildet streckenweise die Grenze zwischen dem Regierungsbezirk Münster gegen die Regierungsbezirke Arnsbe und Düsseldorf. Auf seiner rechten Seite breitet südlich von Recklinghausen das Emscher Bruch aus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 114Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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