FeedEmser (Hieronymus)
ReligionBrockhaus 1882

Emser (Hieronymus), heftiger Gegner der Reformation, geb. 26. März 1477 zu Ulm aus adeliem Geschlecht, studierte seit 1493 zu Tübingen und asel Theologie und begleitete seit 1500 den Kardinal Raymund von Guerk als Kaplan und Sekretär auf einer mehrjährigen Visitationsreise durch Deutschland. In Erfurt blieb er 1502, gab die Werke des Picus von Mirandola heraus und hielt borte.⸗Im Vorlesungen, welche auch Luther örte. Im J. 1504 wandte er sich nach —5 ging aber in demselben Jahre nach Dresden Sekretär des Herzogs Georg. Als solcher schrieb er ein Gutachten über das Zutrinken (1505), über Bereitung, Bewahrung und Verbesserung von Wein, Bier und Essig (1507) und bemühte sich sehr um die vom Herzog gewünschte Kanonisation Bennos von Meißen. Als seine in histor. Beziehung wertvolle Vita Bennoniso (1505) die Bedenken des Papstes nicht ½ vermochte, suchte er in den niedersächs. Klöstern alles auf, was diesem Zweck dienen konnte, reiste auch 1510 selbst nach Rom, doch erfolgte die Heiligsprechung erst 1523. Im J. 1518 ward E. Priester, 1519 wohnte er der leipziger Disputation bei und schrieb hernach einen offenen Brief an Joh. Zack rag, worin er den Böhmen mitteilt, Luther habe die päpstl. Oberhoheit nicht schlechthin bestritten, sie könnten alsa nicht auf seine Beihilfe rechnen. Das veranlaßte Luther zu einer heftigen Gegenschrift. Seitdem waren beide die heftigsten Gegner, und besonders seit Luther am 10. Dez. 1520 mit der päpstl. Bannbulle auch sämtliche Schriften E.s verbrannt hatte, flogen die bittersten Streitschriften hinüber und Ziegenn Da E. das Vorderteil eines gehörnten iegenbocks im Wappen führte, pflegte Luther ihn zu nennen: Bock Emsero oder „Der Bock zu Leipzigo, worauf E. ihn den Stier zu Wittenberg v ieß. Am heftigsten griff E. Luthers Bibelüberetzung an. Er glaubte allein in Luthers Neuem Testament 1400 ketzerische Irrtümer und 1000 falsch Übersetzte Stellen aufzeigen zu können. Diese Arbeit enthält jedoch manches Richtige und ist die wertvollste von E.s Leistungen. Seine eigene Ubersetzung des Neuen Testaments dagegen, welche 1527 erschien, war honden die Luthersche, mit nur wenigen unbedeutenden Anderungen. E. starb in Dresden 8. Nov. 1527. Vgl. Waldau, Machrichten von E.s Leben und Schrifteno (Ansb. 178³).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 114Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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