FeedEndemie (grch.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Endemie (grch.), Endemische oder Einheimische Krankheit heißt eine solche, die unter den Bewohnern einer gewissen Stadt oder Gegend heiuusch, un die vorherrschende, also in dem Volke heimisch, an einen gewissen Ort gebunden ist. Dadurch unterscheidet sie sich von der Epidemie (s. d.), welche im Laufe der Zeit über das Volk kommt und wieder geht. Hinsichtlich ihrer Verbreitung kommen die endemischen Krankheiten entweder immer nur sporadisch vor, indem immer nur vereinzelte Individuen an ihnen erkranken, oder sie treten zu gewissen Zeiten häufiger und in seuchenartiger Verbreitung auf. Sowohl akute wie chronische Krankheiten treten gelegentlich endemisch auf, und zwar kann die C. entweder dem betreffenden Landstriche — eigentümlich sein, d. h. anderwärts gar nicht vorkommen, oder auch in andern Gegenden gefunden werden, aber vorzüglich zählreich auf einer einzelnen Stelle. So sind in Niederungen mit Sümpfen die Wechselfieber, auf vielen Gebirgen die Kröpfe, in engen, eingeschlossenen Thälern der Kretinismus, in den Tropenländern die Leberkrankheiten endemisch. Die endemischen Krankheiten sind manchmal bedingt durch klimatische Einflüsse, namentlich durch die Temperatur, den Luftdruck, die Ausdaustun Winde, den Wassergehalt der Luft, die Ausdünstungen des Bodens, den Stand des Grundwassers „die chem. Beschaffenheit des Trinkwassers, vielleicht auch durch die noch sehr unbekannten elektrischen und magnetischen Verhältnisse, die sich in verschiedenen Landtrichen eigentümlich gestalten. Ferner sind auch die ahrungsmittel und ihre abnorme Beschaffenheit mitunter als „ wat der E. anzunehmen. So ist die endemische Krankheit der Skrofeln unter den Bewohnern eines Landstrichs, die aus Armut lidlich auf den Genuß der Kartoffeln angewiesen sind, aus diesem Grunde allein schon leicht zu erklären. Ebenso werden die endemischen Hautkrankheiten an manchen Seeküsten durch den fast fheiten gewiner Genuß von Fischen, die Wurmkrankheiten gewisser Volksstämme, wie insbesondere das endemische Vorkommen der Trichinose und gewisser Bandwürmer aus dem gewohnheitsmäßigen Genusse rohen Fleisches erklärt. Hierzu kommt noch die Art der Wohnung und Beschäftigung, wie man dies namentlich bei den Fabrikarbeitern bemerken kann, die gewöhnlich arm sind und bei denen schon die Nahrung die Ausbildung der Tuberkelkrankheiten begünstigt. Dieelben haben außerdem wenig Bewegung in freier Zuft; desto mehr aber sind sie in warme, zum Teil euchte, mit unreinen Ausdünstungen angefüllte abrikgebäude eingedrängt; daher fallen besonders die nachfolgenden Generationen bei der Erblichkeit der tuberkulösen Anlage diesem Ubel immer mehr anheim. Überhaupt wirkt eine angeborene Anlage, B. Familien⸗, oder Stamm⸗, oder Rassenunterswiede, dabei mit ein. Das enge Zusammenleben vieler Menschen in großen Städten erzeugt leicht, besonders wegen der mangelhaften Entfernung des Unrats, welcher dann überall den Boden durchsickert, Miasmen, welche unter anderweiten begünstigenden Umständen eine Epidemie veranlassen, die jedoch so anhaltend werden oder so oft neu erzeugt werden kann, daß sie zur E. wird. So B. der Typhus in München, welcher dort, wie Buhl und Pettenkofer gezeigt haben, immer wieder ausbricht oder zunimmt, 10 oft durch Sinken des Grundwassers der mit menschlichen und tierischen Effluvien getränkte Boden über das Niveau des Grundwassers zu liegen kommt, sodaß nun schädliche Gärungs- und Fäulnisprozesse in ihm auftreten können. Es vereinigen sich gewöhnlich mehrere der genannten Einflüsse, um eine E. hervorzurufen. Durch Wegall der einen und das Hinzukommen der andern chädlichen Wuten z. B. durch Austrocknung von Sümpfen, Ausrottung von Wäldern, Errichtung von Fabrikindustrien, kann man den endemischen Charakter einer. Gegend gänzlich verändern, bald verbessern, bald verschlimmern. Um im einzelnen die endemische + einer Gegend genau zu bestimmen, ist eine jeden Umstand berücksichtigende Erforschung derselben erforderlich, die aber ebenso viel physik. und mediz. Vorkenntnisse als volchen inn beansprucht. Neuerdings hat man solchen ntersuchungen unter dem Namen der medizinischen Geographie besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Vgl. Hirsch, Handbuch der histor. geogr. Pathologieb (2 Bde., Erlangen 1859—62; 2. Aufl., Bd. 1, Stuttg. 1881). Eudenich, Dorf in der preuß. Provinz Rheinland Regierungsbezirk Köln, Kreis Bonn, Amts- und Landgerichtsbezirk Bonn, Bürgermeisterei Popelsdorf, 2 EKm im SW. von Bonn, an der Straße Bonn-Custirchen, zählt (1880) 2720 E. (2496 Katholiken, 160 Evangelische und 64 Juden), hat eine kath. Pfarrkirche, eine Privatirrenanstalt, in welcher 29. Juli 1856 der Komponist Robert Schumann starb, eine Lederfabrik, Ziegeleien, Fabrikation von feuerfestem Thon und bedeutenden Obst- und Weinbau. Zu E. gehört der Kreuzberg, auf dessen Gipfel (125 meüber dem Meere) sich eine weithin sichtbare berühmte Wallfahrtskirche erhebt, die vom poppelsdorfer Schloß etwa 15 Minuten entfernt il und namentlich in der Charwoche stark besucht wird. Diese Kirche, der ÜUberrest eines an dieser Stelle 1627 vom Kurfürsten Ferdinand von Köln wegen der Servitenklosters, ist bemerkenswert wegen der heil. Treppe aus ital. Marmor, welche vom Kurfürsten Clemens August von Köln (gest. 1761) gebaut wurde. Dieselbe, in der Kapelle inter dem Altar befindlich, eine Nachahmung der cala santa des röm. Lateran, hat 28 Stufen, auf welcher sich die Besucher der Kirche nur knieend hinaufbewegen dürfen. Euder (Eduard), Geschichts- und Genremaler, der Sohn von Johann Nepomuk E., geb. 1824 in Wien, besuchte die Akademie der bildenden Künste in seiner Vaterstadt, bildete sich außerdem vorzüglich aber durch den Unterricht seines Vaters, der ihn hauptsächlich zum histor. Genre leitete. E. ist ein in diesem dehn beliebter Maler der wiener Schule geworden, obwohl seine Leistungen vielfach ungleich sind und das Kolorit, sowie die Komposition zuweilen an Flüchtigkeit leiden. Er trat sehr jung an die . denn 4.— 18⁴4 debütierte er mit dem Wallenstein und Seni auf der wiener Kunstausstellung. Ahnliche Stoffe behandelt der Kunstler häufig, in der Regel mit etwas theatralischem Arrangement: Philipp IV. malt das Ordenskreuz auf das Porträt des Velasquez (1856), König Franz 1. im Atelier des Cellini (8557 Kaiser Rudolf II. und Tycho de Brahe (1855), Torquato 7 am Hose zu Ferrara (1852). Seine eigentlichen Genrebilder, fast sämtlich im Osterreichischen Kunstverein zur Ausstellung gelangt und meist in wiener Privatbesitz, haben größern Wert als jene halben Geschichtsbilder. Zu erwähnen sind noch; die Schachpartie (1857), der 9 1 33 2 auf der Wache, die Töchter des Altertümlers, la corbeille de mariage (1850) und verschiedene andere.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 123Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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