FeedGrimm (Friedr. Melchior, Baron von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Grimm (Friedr. Melchior, Baron von), ein geistreicher franz. Schriftsteller, der während seines langen Aufenthalts in Paris mit den ausgezeichnetsten zeitgenössischen Persönlichkeiten in naher Verbindung stand, geb. zu Regensburg 25. Dez. 1723, begleitete, nachdem er seine Studien beendigt, den jungen Grafen von Schönberg, nachmaligen kursächs. Konferenzminister, auf die Universität zu Leipzig und sodann nach Paris. Hier wurde er Vorleser des damaligen Erbprinzen von Sachsen-Gotha, später Sekretär des Grafen Friesen, Neffen des Marschalls von Sachsen. Durch Rousseau, mit dem er die Neigung für die Musik teilte, wurde er bei Diderot, dem Baron Holbach, der Frau von Epinay und andern durch Geist und Geburt ausgezeichneten Personen eingeführt. Als die Ankunft der ital. Komischen Oper in Paris alle Kenner und Freunde der Musik in zwei Parteien spaltete, erklärte sich G. entschieden für die ital. Musik. Er schrieb bei dieser Gelegenheit eine kleine Broschüre voll Geist, Witz und Geschmack, Le petit prophète de Boemischbrodas (Par. 1753), und als die Gegner darauf zu antworten versuchten, schlug er sie durch seine Lettre sur la musique françaisen aus dem Felde. Nach des Grafen Friesen Tode wurde er Sekretär des Herzogs von Orléans. Damals fing er an, litterarische Bulletins für mehrere deutsche Fürsten zu schreiben, welche von allen Erscheinungen der franz. Litteratur jener Zeit die geistreichsten Analysen erhielten. Auch nachdem er 1776 zum Baron und vom Herzog von Gotha zu dessen bevollmächtigtem Minister am franz. Hofe ernannt worden war, setzte er seine litterarischen Korrespondenzen fort. Nach dem Ausbruch der Revolution begab er sich nach Gotha, wo ihn 1795 die Kaiserin Katharina II. von Rußland zum Staatsrat und zu ihrem bevollmächtigten Minister in Hamburg ernannte, welchen Posten er bekleidete, bis eine Krankheit, infolge deren er ein Auge verlor, ihn nötigte, seine Entlassung zu nehmen. Er ging hierauf wieder nach Gotha, wo er 19. Dez. 1807 starb. Nach seinem Tode erschien seine Correspondance littéraire, philosophique et critiqueo (16 Bde., Par. 1812; Supplement von Barbier, Par. 1814; neueste Ausg., 10 Bde., Par. 1877 fg.; deutsch im Auszuge, 2 Bde., Brandenb. 1820—23), welche eine vollständige Geschichte der franz. Litteratur von 1753 bis 1790 bildet und sprachlich wie durch glänzende Urteile sich auszeichnet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 422Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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