Galäterbrief (Epistel St. Pauli an die Galater), eine der wichtigsten Schriften des Neuen Testaments, gehört zu den unzweifelhaft echten Briefen des Apostels Paulus. In seiner geschichtlichen Bedeutung für die Entwickelung des Urchristentums und für die Erkenntnis der großen geistigen Gegensätze, welche das apostolische Zeitalter bewegten, ist er erst in neuerer Zeit, namentlich durch die Forschungen F. Chr. Baurs und der sog. Tübinger Schule gewürdigt worden. Der Brief ist veranlaßt durch den schon so gut wie geglückten Versuch, die durch Paulus bekehrten galatischen Heidenchristen ihm abspenstig zu machen und für die judenchristl. Lehre von der Notwendigkeit des mosaischen Gesetzes, insbesondere der Beschneidung, der Feste und Fasten auch im Christentume, zu gewinnen. Die Hauptaufgabe des Apostels in dem Briefe ist es daher, die Unverträglichkeit der Gesetzesbeobachtung mit dem Glauben an Christi Kreuzestod darzulegen. Da aber die Gegner zugleich das Ansehen des Paulus herabzusetzen und dafür das der palästinensischen Apostel, insbesondere der drei KSäuleno Petrus, Johannes und Jakobus, geltend zu machen suchten, so sieht sich Paulus zugleich zu einer eingehenden Verteidigung seiner apostolischen Würde und seines Cvangeliums veranlaßt. Indem er bei dieser Gelegenheit zugleich sein persönliches Verhältnis zu den «Säulenaposteln», insbesondere zu Petrus erörtert und erzält, wie er auch diesen Hochangesehenen gegenüber das Recht seiner gesetzesfreien Heidenpredigt behauptet und selbst den Petrus wegen dessen Verhaltens in Antiochia ernstlich zurechtgewiesen habe, gewährt er Parte interessante Einblicke in die Stellung der arteien im apostolischen Zeitalter und in die Streitfragen, über welche unter ihnen gekämpft wurde. Die Abfassungszeit des Briefs fällt in das ahr 55 oder 56. Außer den Kommentaren von iner, De Wette, Usteri, Meyer, Rückert, Wieseler, Sieffert u. a. vgl. Baur, Paulusv (Tüb. 1845); Hilgenfeld, Der G.v (Lpz. 1852); Holsten, Zum Evangelium des Paulus und des Petrusy (Rost. 1868); derselbe, Das Evangelium des Pauluso (Bd. 1, Berl. 1880).