Epiktét (grch. Epiktetos), berühmter Anhänger der Stoa, zu Hierapolis in Phrygien um 50 n. Chr. geboren, war zu Rom der Sklave des Epaphroditos, eines Freigelassenen des Nero. Die Mißhandlungen von seiten seines Herrn ertrug er mit einer Ruhe, die den echten Stoiker charakterisieren. Man erzählt, daß ihm sein Herr einst einen heftigen Schlag auf den Schenkel gab. Du wirst mir das Bein zerschmetterne, sagte E. Sogleich gab jener ihm einen stärkern Schlag und zerschlug ihm das Bein. «Hab' ich es dir nicht vorausgesagt » fuhr C. mit ruhiger Miene fort. In der Folge ward er freigelassen und widmete sich der stoischen Philo-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. sophie. Domitian haßte ihn seiner sittlichen Grundsätze wegen und verbannte ihn 94 n. Chr. nebst andern Philosophen aus Rom. Er ließ sich zu Nikopolis in Epirus nieder, kehrte aber wahrscheinlich nach dem Tode Domitians nach Rom zurück und scheint noch unter Hadrian gelebt zu haben. Unter dem Drucke des Zeitalters, in welchem er lebte, erhielt seine ernste, sittliche Weltansicht einen mehr entsagenden als thätigen Charakter; der Mittelpunkt derselben ist die Mahnung, zu entbehren und zu dulden und auf nichts einen Wert zu legen, was nicht in der eigenen Gewalt des Wollenden stehe. Sein Schüler Arrianus sammelte die Aussprüche Eis in der Schrift Encheiridiono und in den vier Büchern «Philos. Gespräches (deutsch von Schultz, 2 Bde., Altona 1801—3, und von Enk, Wien 1866, der auch den Kommentar dazu von Simplicius übersetzte, Wien 1867). Unter den vielen Ausgaben seiner Werke sind zu nennen die von Heyne (Lpz. 1756 und 1793) und von Schweighäuser, der in der Sammlung Epicteteae philosophiae monumentah (5 Bde., Lpz. 1799—1800) alles zusammengestellt hat, was sich auf E. bezieht. Vgl. Spangenberg, Die Lehre des CE.» (Hanau 1849).