Diogenes aus Sinope, einer Stadt in Paphlagonien, am Schwarzen Meere, der populärste von allen cynischen ebemweif bei welchem die Lehre sich fast ganz in Lebensweise verlor, war 414 v. Chr. geboren. Als er mit seinem Vater seinen Geburtsort verlassen m ging er nach Athen, wo ihn Antisthenes (s. d.) nach unablässigem Andringen als Schüler annahm. Sehr bald in seinen Grundsätzen noch weiter gehend als sein Lehrer, verachtete er nicht nur gleich diesem alles bloß theoretische Wissen, unter unablässigem freimütigen Eifern gegen die Sittenverderbnis seiner Zeit, sondern zeigte zugleich an sich selbst die übertriebenste Anwendung seiner moralischen Lehren. Während der finstere Ernst seines Lehrers misfiel, verstand es D., mit Heiterkeit und derbem Witz seinen Zeitgenossen ihre Thorheiten zu Sein Er lehrte, das Glück bestehe ausschließlich in der Tugend, der Weise müsse, um glücklich zu sein, sch unabhängig vom äußern Glück und von den Menschen erhalten. Auch Familie und Staat, selbst die Sklaverei kann und darf den Weisen nicht beengen; aus dem Tode macht er sich nichts; Reichtum, Ansehen, Ehre und alle Annehmlichkeiten und Genüsse des Lebens verachtet er. Nicht zufrieden mit der innern Unabhängigkeit von allen Genüssen und Bedürfnissen, suchte D. noch mehr als schon Antisthenes gethan, sich auf das schlechthin Unentbehrliche zu beschränken und das Zube, m in Abhärtung zu leisten. Er ging ohne Schuhe, mit einem langen Barte, einen Stock in der Hand und einen Quersack auf der Schulter, als Bettler in Athen einher und hatte eine Zeit lang kein anderes Obdach als eine Tonne, die im Vorhof eines Tempels lag. Allen Ungemächlichkeiten der Witterung bot er Trotz und ertrug Spott und Schimpf des Volks mit der größten Ruhe. Dagegen sprach er auch seinerseits laut gegen alle Laster und Mißbräuche und bediente sich dabei der Satire und Ironie. Es nohlm von ihm Anekdoten in Menge, die aber wohl zum Teil erdichtet sind. Auf einer Reise wurde er von Seeräubern gefangen und als Sklave nach Kreta an den Korinther Keniades verkauft, der ihm die Erziehung seiner Kinder übertrug und bei dem er freiwillig blieb, indem er es verschmähte, sich freikaufen zu lassen. Zu Korinth war es, wo, wie erzählt wird, Alexander ihn in der Sonne gelagert fand, sich in ein Gespräch mit ihm einließ und ihn zuletzt aufforderte, sich etwas auszubitten. Ich verlange weiter nichtsv, antwortete D., cals daß du mir aus der Sonne gehst.v Erstaunt über diesen Beweis höchster Genügsamkeit, soll der König ausgerufen haben: «Wäre ich nicht Alexander, so wünschte ich zu sein.v D. starb 323 v. Chr. Die unter seinem Namen vorhandenen Briefe sind später untergeschoben worden. Manche behaupten, aber wohl mit Unrecht, daß er gar nichts geschrieben habe. Die ihm beigelegten Fragmente und Aussprüche finden sich in Mullachs Fragmenta philosophorum Graecorumo (Bd. 2, Par. 1867). Vgl. K. W. Göttling, D. oder die Philosophie des griech. Proletariatso (in KGesammelte Abhandlungeno, Bd. 1, Halle 1851); Hermann, Zur Geschichte und Kritik des D. von Sinopep (Heilbronn 1860). Diogênes von Tarsus wird als ein Schulhaupt der Epikureer im 2. Jahrh. v. Chr. und als Verfasser ästhetischer Untersuchungen erwähnt.