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ErdkundeBrockhaus 1882

Erbach, altes fränk. Dynastengeschlecht, welches baden Stammbaum bis auf Eginhard (s. d.) und essen Gemahlin Emma, die Tochter Karls d. Gr., Imdlich na „aber erst seit Mitte des 12. Jahrh. urndlich nachweisbar ist, erhielt 1532 die reichsgräfl. Würde und 1541 das Münzrecht. Gemeinschaftlicher Stammvater des jetzigen Hauses ist Georg Albrecht I. (gest. 1647). Es teilte sich 1717 in drei Linien: Erbach-Fürstenau, Erbach-Erbach und Erbach-Schönberg, die aber nicht nach dem Alter der Abstammung, fondern nach dem Alter des Chefs jeder Linie rangieren. Das Geschlecht ist noch im Besitz des Landes, welches Eginhard von Kaiser Ludwig dem Auotter 80 erhielt und vier Jahre nachher dem Kloster Lorsch unter der Bedingung vermachte, daß es als Lehn seinen etwaigen Nachkommen verbleiben solle. Die ganze gegenwärtig unter die drei Linien geteilte Grafschaft liegt in der hess. Provinz Starkenburg und umfaßt 523 qkm mit etwa 33000 CE. Sie verlor durch die Rheinbundsakte vom 12. Juli 1806 ihre Unabhängigkeit und bildet jetzt eine hess. Standesherrschaft. Die in ihr gelegene Stadt Erbach (im Odenwald), jetzt Hauptort des gleichnamigen Kreises, an der Mümling und an der Linie Darmstadt-Beerfelden (Odenwaldbahn) der Hessischen Ludwigsbahn, in 279 m Meereshöhe, 50 km — von Darmstadt, Amtsgerichtsbezirk Michelstadt, Landgerichtsbezirk Darmstadt, zählt (1880) 2907 CE. (davon 290 Katholiken), ist Sitz eines Kreisamtes, eines Kreisbauamtes, eines Eichamtes, einer Oberförsterei, hat eine evang. und eine kath. Pfarrkirche, einen Kreditverein, bedeutende Tuchfabriken, Gerberei, Elfenbeinschnitzerei und besuchte Märkte. Das gräfl. Schloß der Linie Erbach-Erbach, über der Stadt, in deren Mitte gelegen, auf sehr alter Grundlage Mitte des 16. Jahrh. im Renaissancestil erneut, im 18. Jahrh. zum Teil abermals umgebaut, birgt interessante Sammlungen, griech., röm. und german. Altertümer, eine reiche Gewehrkammer, den Rittersaal mit den Rüstungen und Waffen hervorragender Männer (Kaiser Maximilian I., Franz von Sickingen, Götz von Berlichingen, Wallenstein, Gustav Adolf u. a.), wertvolle Glasmalereien aus dem 13. bis 17. Jahrh,. u. s. w. und in der Begräbniskapelle Steinsarkophage Eginhards und Emmas, welche 1810 aus dem Kloster zu Seligenstadt hierher gebracht wurden. Vgl. Simon, «Die Geschichte der Dynasten und Grafen zu E. und ihres Landeso Frankf. 1858). — Der Kreis Erbach in der hess. Provinz Starkenburg, im Odenwald an der Mümling, zählt auf 593 akm (1880) 51517 C. (45030 Cvangelische, 5377 Katholiken, 1091 Juden).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 245Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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