Erden und Erdarten. Unter Erden im engern Sinne oder eigentlichen Erden begreift man in der Chemie eine Reihe von Metalloryden welche in ihren Eigenschaften in der Mitte zwischen den Oryden der Alkalimetalle und den Oryden der Schwermetalle stehen, welche aber nach beiden Seiten hin fast verschwindende übergänge bilden, sodaß eine strenge metalle namentlich nach den Oryden der Schwermetalle hin, zu ziehen fast unmöglich ist. Im allgemeinen lassen sich die Erden in zwei Gruppen trennen, in alkalische Erden oder Erdalkalien und eigentliche Erden. Zu ersterer Gruppe gehören die Oxyde des Calciums, Baryums, Strontiums und Magnesiums oder die Kalkerde, der Baryt, der Strontian und die Magnesia, von denen aber die letztere si dem Zinkoxyd so nahe stehend erweist, daß sie der Zinkgruppe einzureihen wäre, wenn nicht das geringe spezifische Gewicht ihres Metalls ihr einen andern Platz anwiese. Die Gruppe der eigentlichen Erden umfaßt die Oryde des Aluminiums oder Thonerde, des Berylliums oder Beryllerde, des Zirkoniums oder Zirkonerde, des Cer, Lanthan, Didym, des Erbium Ytrium und Thorium. Zwischen diesen findet no weniger Ubereinstimmung statt als bei den alkalischen Erden, sodaß sie bei spätern Klassifikationen sicher voneinander zu trennen sein werden. Einzelne Chemiker rechnen auch das Oryd des Siliciums, die Kieselsäure, unter dem Namen Kieselerde, zu den Erdarten; dasselbe unterscheidet sich aber so bestimmt von den übrigen, daß ihm eine ganz andere Stelle im System gebührt. In der Geologie werden unter Erden (Erdkrume) die zum Teil durch Wasser von ihrem Ursprungsort weggeschwemmten und dann wieder abgesetzten sandig⸗-thonigen Verwitterungsreste und Zerkleinerungsprodukte der Gesteine verstanden, denen oft verwesende organische Substanzen in größerer oder geringerer Menge beigemischt sind. Der wichtigste Bestandteil der Erdkrume ist das wasserhaltige Thonerdesilicat, die Thonsubstanz, welche namentlich aus der Zersetzung der Feldspatgesteine hervorgeht. Die Erdarten, deren die Gärtnerei für ihre Kulturen bedarf, sind teils organischer, teils anorganischer Herkunft. Zu den aus tierischen und pflanzlichen Resten entstandenen Erdarten gehören: die Laub⸗/ Dünger⸗„ Heide⸗, Moor⸗, Rasen⸗ und Schlammerde. Die Lauberde entsteht in natürlicher Weise durch Verwesung von Blättern und andern Pflanzenabfällen an muldenartigen Bodensenkungen oder an sonstigen gegen den Wind geschützten Stellen des Waldes. In manchen Gärten bereitet man sie aus Pflanzenresten aller Art, indem man diese auf Haufen setzt und von Zeit zu Zeit unter Zusatz des vierten Teiles Sand durcharbeitet, um den Zutritt der Atmosphärilien zu befördern und dadurch die Zersetzun 1 beschleunigen. Die Düngererde wird meist ereitet aus reinem, strohlosem Rindermist von Weideplätzen oder aus den Ställen. Man behandelt diesen wie die Lauberde, hauptsächlich zur Zeit starker Fröste. Die Heideerde entsteht aus den verwesten Blättern der Heidelsträucher (Vaceinieae), wie Heidel⸗ und Preißelbeere und des Heidekrautes (Erica), sowie aus Tannennadeln an den natürlichen Standorten dieser Pflanzen. Am besten ist sie, wenn sie aus dem Boden, auf dem sie sich bildet, reichliche Mengen Quarzsandes aufnimmt. Sie eignet sich vorzugsweise zur Kultur zartwureliger Gewächse, sollte aber immer nur in brockiger n zur HA1ο ν kommen. Die Moorerde ndet man auf sog. Y oorwiesen und Torfmooren; sie ist aus den bei reichlicher Felaber Art verwesten Wurzeln der auf Standorten solcher Art in großer G.wiunung sch vorkommenden Pflanzen. Bei der ewinnung schürft man vorher die darüberliegende Grasnarbe ab und sammelt nur die obere 1012 em bere Schicht. Sie hat vor der Heideerde eine gröere wasserhaltende Kraft voraus, muß aber vor dem Gebrauche längere Zeit an der Luft gelegen haben und mit reichlichem Quarzsande vermischt werden. remeheltendie ist aus vegetabilischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. Man bereitet sie, indem man auf schwarzgrundigen, lehmig-sandigen Triften die dichte Grasnarbe abschält, die Stücke mit dem Grase nach unten auf Haufen setzt und diese häufig durcharbeitet, bei dieser Gelegenheit Lauberde und düngende Substanzen zusetzt und das Wird mit Stallmist übergießt. Schlammerde wird aus dem Schlamme bereitet, welcher sich in Teichen und Dorfgräben, die von vielem Hofgeflügel besucht werden, oder in den Gewässern volkreicher Ortschaften zu Boden setzt. Auch sie muß unter öfterm Umstechen atmospharilischen Einflüssen für längere Zeit ausgesetzt liegen. Erdarten anorganischer Herkunft kommen in der Gärtnerei, abgesehen von dem meist humosen, mehr oder weniger kalkhaltigen und sandgemischten Lehmboden des Gemüse⸗ und Blumengartens, sehr selten für sich, sondern meistens nur als Beimischung zur Anwendung, wenn nicht etwa reiner Quarzsand zur Anzucht von Pflanzen aus Stecklingen. Als Zusatz für allerlei Erdmischungen, wenn sie von etwas kompakterer Beschaffenheit sein müssen, benutzt man gern verwitterten Wandlehm, andernfalls auch Kalkschutt. Hat man keinen Quarzsand zur Verfügung, wie er 19 am Ufer mancher Flüsse und Bäche in reichlicher Menge findet, so kann man an seiner Stelle Grubensand benutzen, der aber vorher wiederholt in Wasser durchgewaschen worden. Für eine große Zahl von Gewächsen der Topfkultur genügt eine sog. Normal⸗ oder Durchschnittserde. Man bereitet sie aus vegetabilischen Resten aller Art, Blättern, trockenem Gezweig, Unkraut, Stroh u. s. w. Man setzt diese Materialien in Haufen, bringt sie durch Umstechen von Zeit Zeit mit den die chem. Zersetzung befördernden tmosphärilien in Falt⸗ und vermischt sie bei dieser Gelegenheit mit Kalk⸗ und Lehmschutt, Flußsand, Asche, Ruß u. s. w. und begießt sie mit Abwässern aus der Küche oder der Waschküche, aufgelöstem Dünger, Jauche und ähnlichen Flüssigkeiten. Diese Erde ist somit fast dasselbe, wie der Kompost, und kann durch einen reichlichen Zusatz von Lehm oder Sand schwerer und dichter oder leichter und lockerer gemacht werden. Manchen Pflanzen genügt schon ein Erdreich, das einem stets reichlich gedüngten und gut gepflegten Gemüsegarten entnommen wurde.