Erica, Heide, Hauptgattung der Familie der Ericaceen, von der weit über 500 Arten und ebenso zahlreiche Gartenvarietäten bekannt sind. Sie ist durch einen kurzen, grünen oder gefärbten vierzähnigen Kelch, eine krug⸗, glocken-oder röhrenförmige Blumenkrone mit verschieden gebildetem Saume, bandförmige Staubfäden auf einem Ringe im Grunde der Blüte, einen fadenförmigen Griffel und eine vierfächerige, vierklappige, wandteilige Kapsel gekennzeichnet. Blätter zerstreut, nadelartig, immergrün. Fast alle Arten sind Sträucher oder Halbsträucher, und nur einige erheben sich zur Baumform, z. B. die Baumheide, E. arborea, im südwestl. Europa und Nordafrika. Von den europ. Arten sind außer dieser zu nennen: E. cinerea, mit krugförmigen, dunkelpurpurroten Blüten und zu dreien stehenden Blättern; E. carnea, in SÖsterreich und Bayern und bis in die Schweiz hinein, sehr kenntlich an den blaßroten, einseitig herabhängenden Blüten mit schwarzroten Staubfäden; E. mediterranea, 2—3 m m pyramidale Büsche bildend; E. lusitanica, mit weißen Blumen, in dem sandigen, feuchten Lande des südwestl. Frankreich; E. eiliaris, mit gewimperten Blättern und Kelchabschnitten und krugförmigen, purpurroten Blüten; E. multiflora, von schön buschigem Wuchs mit hellroten auf verhältnismäßig langen Stielen überhängenden Blumen; E. vagans, mit weißen, paarig stehenden Blütenglöckchen, wie die der Maiblume; E. tetralix, mit zu vieren stehenden quirligen Blättern und kugelrunden, weißen oder rosenroten Blumen; endlich die bereits erwähnte E. arborea, auf allen unbebauten Hügeln der Mittelmeerländer gemein und hier überall als Feuerungsmaterial verwendet. Wegen ihres hohen Wuchses, ihrer reichen Blüte im Frühjahre und des zarten Ansehens ihrer weißen oder rosenroten Blumen ist sie, wo sie im freien Lande ausdauert, ein Zierstrauch ersten Ranges. Manche dieser Arten können in günstig klimatisierten Landstrichen Deutschlands im Lande überwintern, wenn sie etwas gedeckt werden. Man verwendet sie im Garten am besten für den äußersten Rand der Moorbeete oder für kleine blumenbeetartige Gruppen in Heide⸗ oder Moorboden. Für die Gärten von ungleich größerer Bedeutung sind die südafrik. (kapischen) Heiden, von denen man gegen 500 Arten kennt, die der Mehrzahl nach kulturwürdig sind. Sie sind, wie die europ. Arten, Sträucher oder Halbsträucher mit steifen, immer-Gatter dichten, schmallinienförmigen, pfriemlichen lättern und in dichtem Stande zu Rispen, Trauben oder Knäueln geordneten Blumen. Viele derselben unterscheiden sich von den europäischen durch eine viel größere, bald schellenförmig aufgeblasene, bald röhrige Blumenkrone und durch die Mannigfaltigkeit der Blütenfarben, Weiß, Rosa, S arlach, Karminrot in den verschiedensten Nuancen, Dunkelrot, seltener Gelb; oft sind die Blumen zweifarbig, der Saum anders gefärbt als die Röhre. Von den Kapheiden sind viele in die Gewächshäuser eingehrt, doch ist immer nur eine mäßige Anzahl der chönsten kultiviert worden. Erst vom J. 1780 ab sing man in England an, förmliche Kollektionen in den Gewächshäusern zu unterhalten. Seit jener Zeit haben sie sich über den ganzen Kontinent verbreitet, aber immer noch findet man in England die größten Sammlungen in sorgfältigster Kultur, während man die Eriken in Deutschland ganz aufgegeben hat oder doch nur noch ausnahmsweise in größern Kollektionen kultiviert. Zu den Arten, welche bei sorgfältiger Pflege immer gedeihen, gehören: E. cylindrica, von pyramidalem Wuchs, mit zu vieren quirligen Blättern und langröhrigen, lebhaft roten Blumen im April und Mai; E. Wilmoreana, pyramidal, buschig, etwas wollig behaart, mit langröhriger, cylindrischer, rosenroter oder weißer Korolle, blüht zu Ausgang des Winters; E. piemalis, pyramidaler Halbstrauch mit quirligen Blättern und mit dicken, kegelförmigen Ahren röhriger, am Grunde rosenroter, am Saume weißer Blumen im Winter; E. Bowieana, mit zu drei stehenden, linienförmigen, blaugrünen Blättern und hängenden, röhrigen, unter der Mitte etwas bauchigen, mattweißen Blumen von Juli bis September; E. Linnaeana, Halbstrauch mit wirtelständigen, rten Blättern und traubig geordneten, hrig konischen, weißen oder rosenroten, später lebhaft roten Blumen im Winter, mit der no schönern Varietät var. superba; E. ventricosa, buschiger Halbstrauch mit verhältnismäßig großen, quirligen, gewimperten, weich behaarten Blättern und zu Endknäueln gesammelten länglich-krugförmigen, glänzend weißen, am Saum roten oder rosenroten Blumen im Mai und Juni, mit zahlreichen zum Teil noch weit schönern Spielarten, wie var. breviflora, coccinea minor, tricolor, porcellana, pyramidalis; E. gracilis, elegantes Büschchen mit schwachen Zweigen, quirligen, dreikantigen Blättern und großen Rüspen kleiner, sehr zahlreicher, schellenförmiger, lebhaft rosen-oder dunkelkarminroter Blüten, je nach der Varietät, von Herbstansang bis in die Mitte des Winters; E. cubica, buschiger Halbstrauch mit sehr kleinen, glatten, wpizen zW quirligen Blättern und an den Zweigpitzen zu Knäueln esammelten schellenförmigen, weit geoffneten, dunkelvioletten Blüten im Herbst. Wo man recht gute, starksandige Heideerde haben kann, da sind die Eriken keineswegs so schwierig zu kultivieren, wie oft angenommen wird. Aber ohne eine solche Erde ist alle Mühe umsonst. Außerdem muß man, wenn die Heiden gedeihen sollen, für einen guten Abzug des Wassers Sorge tragen. Im Winter erfordern sie einen hellen, luftigen Standort und möglichst wenige Wärme; die Temperatur darf nicht über +3 Begießewucht Sie ertragen im Winter auch vieles Begießen nicht, doch sind sie auch wieder ohne Rettung verloren, wenn man das Erdreich trocken werden läßt, und das ist die schwierigste Aufgabe ihrer Kultur, den rechten Grad der Feuchtigkeit zu treffen. Hat man es einmal darin versehen, so lassen sie ihre feinen, nadelartigen Blättchen fallen, ohne wieder auszutreiben. Die Umpflanzung nach beendigter Blüte darf nicht verabsäumt werden. Man vermehrt die Heiden im Februar und März aus den Spitzen der Triebe, die man in reinen Sand steckt.