Erle, auch Eller oder Else, heißen in Deutschand die Arten der schon den Alten bekannten daubholzgattung Alnus, welche in die 21. Klasse des Linneschen Systems und zur Familie der Betulaceen gehort. Ihre nicht zahlreichen, über die nördl. Halbkugel zerstreuten Arten sind Bäume und Sträucher mit gestielten ane Raut gestielten, rundlichen oder eiförmigen, am ande gesägten oder gezähnten, selten fiederförmig eingeschnittenen Blättern, und von den ihnen zunächst verwandten Birken vorzüglich dadurch unterschieden, daß die weiblichen Kätzchen nach der Blütezeit sich in holzige Zapfen umgestalten, welche nach dem Ausfallen der meist eckigen und ungeflügelten Samen (Nüßchen) noch lange Zeit an den Zweigen hängen bleiben. Außerdem stehen bei den E. unter den schildförmigen Schuppen der männlichen Kätzchen je drei gesonderte, von vier radförmig ausgebreiteten Hüllblättern umgebene, viermännige Blüten, unter den fast ganz eiförmigen Schuppen der weiblichen Kätzchen bloß zwei Stempel. Bei der Mehrzahl der E. stehen sowohl die männlichen als die viel kleinern weiblichen Kätzchen zu mehrern traubenförmig an einem gemeinschaftlichen Stiele, welcher sich 0n im Sommer vor der Blütezeit entmickelt. Davon macht bloß die Grün⸗ oder Alpenerle eine Ausnahme. Man kennt bis jetzt etwa 14 Erlenarten. Die Tafel: Laubhölzer, Waldbäume III, zeigt die Schwarzerle; dargestellt sind: 1) Triebspitze mit den für das nächste Jahr vorgebildeten großen männlichen und kleinen weiblichen Kätzchen. 2) Männliches Blütenkätzchen im Frühjahre. 3) Dreiblütige Kätzchenschuppe von der Seite gesehen, an der Spindel ansitzend. J) und 5) Dieselbe von vorn und von unten gesehen. 6) und 7) Eine vierzipfelige einzelne Blüte mit vier Staubbeuteln von oben und von der Seite, 8) Weibliches Blütenkätzchen. 9). Weibliche Blütenschuppe mit den zwei zweigriffeligen Blütchen. 10) und 11) Zapfenschuppe von innen (mit den zwei Früchten) und von vorn gesehen. 12) Eine Frucht. 13) Querdurchschnitt derselben. 14) Ein reifer Fruchtzapfen. 15) Ein Triebstück mit Blattknospe. (2, 14 und 15 in natürlicher Größe gezeichnet.) Die beiden gemeinsten europ. Arten sind die Schwarz⸗ und die Weißerle. Die Schwarzerle (A. glutinosa Gdrt.), auch gemeine, rote oder schwarze Erle oder Roterle genannt, besitzt oberseits klebrige und kahle, unterseits in den Rippenwinkeln braunbärtige, sonst ebenfalls kahle, verkehrt-eiförmige, abgerundete oder an der Spitze eingebuchtete, am Grunde ganzrandige, sonst einfach bis doppelt gezähnte oder A oben glänzend dunkelgrüne, unten matt hellgrüne Blätter. Die Knospen sind gestielt, stumpf, die Kätzchen 5—6 em lang, violettbraun, die Zapfen eiförmig, geschlossen 10—13 mm lang mit klebrigem, goldgelbem Wachsharz überzogen, reif kahl und bleiben bis spät ins nächste Frühjahr hängen. Die Nüßchen sind verkehrt-eiförmig, 2—3 mm lang, ungeflügelt oder mit Paumn lederartigen Saum. Der schöne, schlanke Baum wird selten höher als 25 m und ist im Alter mit rissiger, tafelförmig sich ablösender schwärzlicher Borke bedeckt. Die Schwarzerle ist durch ganz Europa verbreitet, kommt auch in Asien und Afrika vor, steigt in Norwegen noch bis 300 m, am Harz bis 600 m, in den südl. Alpen bis 1200, selbst 1300 m Meereshöhe. Vor allem beansprucht sie viel Feuchtigkeit des Bodens, im Gebirge und Hügellande findet sie sich meist an den Ufern der Bäche und Flüsse, sowie auf kleinern vernaßten Stellen in Mitte der Nadelholz- und anderer Hochwälder. Ausgedehnte mächtige Hochmoore sagen ihr nicht zu, um so mehr Erlenbrüche, d. h. mit Erlennieder-oder Hochwald bedeckte sumpfige Niederungen, finden sich häufig z. B. in Norddeutschland in den Auen langsam fließender Gewässer. So der Spreewald, der Oderbruch, in der Lüneburger Heide, in Ostpreußen; ferner sind Litauen, die baltischen Provinzen, auch das ungar. Tiefland reich an Erlenbrüchen. Die Schwarzerle entwickelt keine Wurzelbrut, der Stock behält aber bis in hohes Alter Ausschlagfähigkeit, weshalb sie sich zu Niederwaldbetrieb gut eignet. Das Holz ist frisch gefällt rötlich, färbt sich aber in Berührung mit der Luft dunkler rot oder bräunlich-rot, es ist nur unter beständiger Feuchtigkeit im Boden oder unter Wasser dauerhaft. Im Trockenen wird es bald von Nagekäfern zerstört. Es ist gut geeignet zu Tischler⸗ und Drechslerarbeiten, da es eine schöne dunkle Politur annimmt. In Glasfabriken zu Formholz, zum Glätten des Tafelglases wird vorzüglich gern Erlenholz verwendet, ebenso findet es gute Verwertung bei der Fabrikation von Bürsten, Pantoffeln, Spielwaren, Cigarrenkisten u. s. w. Als Brennholz ist Erlenholz weniger gesucht, obwohl die E. selbst im grünen Zustande recht gut brennt. Gefahren ist die E. nicht so sehr ausgesetzt als manche andere Holzarten; die jungen Pflanzen leiden mitunter von Spätfrösten, noch mehr durch Graswuchs, unter welchem sie leicht ersticken. Später besitzt sie namentlich in einem Rüsselkäfer (Cryptorhynchus lapathi L.), dessen Larve im Holze lebt, einen argen Feind, welcher schon manche Erlenanlage zerstört hat. Die Weißerle (A. incana IIIId.), auch nordische oder graue Erle genannt, hat eiförmiglängliche, spitzige, am Grunde abgerundete, ganzrandige, sonst scharf doppelt gesägte, nicht klebrige, oben dunkelgrüne kahle, unten bläulich-graue feinbehaarte Blätter, gewöhnlich ohne Haarbüschel in den Rippenwinkelin. lübrigens ist sie der Schwarzerle sehr ähnlich, doch sind die Zapfen höchstens vem lang, auch erlangt sie nicht die Höhe der vorigen; die Rinde des glatten grauen Stammes reißt im höhern Alter etwas auf, verwandelt sich aber nicht in losblätternde Borke. Die Blütezeit tritt etwa drei Wochen früher ein als bei der Schwarzerle, in Mitteldeutschland oft schon im Februar. Die Weißerle ist durch ganz Europa, im westl., nördl. und östl. Asien und in Nordamerika verbreitet. In den Gebirgen steigt sie bedeutend höher als die Schwarzerle. In Deutschland und Osterreich wächst sie besonders an Bach- und Flußufern, vermeidet jedoch sauere sumpfige Auen un gedeiht ganz gut auf trockenerm Boden, selbst an Verghängen und Gebirgskämmen. Die Weißerle schlägt nach dem Abtrieb nur vom Wurzelhals und reichlich von den Wurzeln aus; letztere Eigenschaft empfiehlt sie besonders zur Befestigung von Flußufern, Kiesbänken u. dgl. Das Holz der Weißerle ist heller als das der Schwarzerle, wird ähnlich verwendet, aber nicht allgemein so geschätzt. Spätfrösten ist sie weniger ausgesetzt, dagegen ebenso dem Fraß des Erlenrüssellafers. Eine Bastardform zwischen Weiß⸗ und Schwarzerle ist die nur einen Großstrauch bildende weichhaarige Erle (A. pubescens Tausch.); diese ist! namentlich im Norden heimisch, kommt jedoch auch in Deutschland und Osterreich, selbst noch im Kaukasus vor. Ein wichtiger Strauch ist die Alpen- oder Grünerle (A. viridis DC). Die grünen Blattknospen sind nicht gestielt, sitzend, die weibtlichen Blüten entwickeln sich erst mit dem Laubausbruch, die männlichen im Sommer vorher. Die länglichen Nüßchen sind häutig-geflügelt, weshalb der Samen vom Winde weit fortgeführt wird. Die Blätter sind oben dunkelgrün kahl, unten hellgrün, an den Nerven behaart, eiförmig, scharf doppelt gesägt, in der Vllern klebrig. Die Grünerle findet sich in der kältern gemäßigten und kalten Nordi der nördl. Hemisphäre fast überall, fehlt in Norddeutschland vom Harz an und in Skandinavien. Ihre eigentliche Heimat sind die Gebirge, sie steigt in den südl. Alpen bis über 2000 m Meereshöhe; herabgewehter Samen siedelt sie oft auch am Fuße der Berge an. Wichtig ist die Grünerle für die Aufforstung kahler Hochgebirgsstrecken, als Vorläuferin weiterer Forstkultur. Von den süd- und außereuropäischen E. ist erwähnenswert die feingesägtblätterige Erle (A. serrulata Milld.), ein nordamerik. Strauch, welcher in botan. Gärten angepflanzt wird, in Nordböhmen verwildert vorkommt. Von den beiden Hauptarten der E. gibt es viele, namentlich auf Abweichungen in der Blattform begründete Varietäten, so z. B. die zu A. glutinosa gehörigen laciniata Milld., incisa I'iltd. mit tief gelappten Blättern.