Ernte bezeichnet den Inbegriff aller Arbeiten, welche zum Einbringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte notwendig sind. Die C. ist eins der wichtigsten landwirtschaftlichen Geschäfte, von dessen sorgfältiger Leitung und von dessen Gelingen die Rentabilität des ganzen Wirtschaftsbetriebes in hohem Grade die 35 wird. Von größter Bedeutung ist dabei die Wahl des richtigen Zeitpunktes, das Wetter und die schnelle Förderung aller Erntearbeiten. Man kann in Deutschland drei Haupternten unterscheiden: die Heuernte, die Getreide⸗ (Hülsen⸗ und Olfrucht)⸗Ernte und die Wurzelfruchternte. Die drei Arten bedürfen natürlich eines verschiedenen Zeitpunktes, besonderer Werkzeuge und besonderer Methoden beim Einheimsen. Die Heuernte erstreckt sich auf Gras, Klee, Luzerne, Esparsette, überhaupt auf alle grünen hammer gewächse, welche in trockenem Zustande den Winter über aufbewahrt werden sollen. Der Einschnitt, welcher meistens mit der Sense, jetzt aber auch vielfach mit der Mähmaschine vorgenommen wird, hat zu erfolgen, wenn die Pflanzen in voller Blüte stehen. Bei früherm Abbringen ist das Quantum ein geringeres, weil das Wachstum der Pflanzen noch nicht vollendet ist; bei späterm Mähen erhält man allerdings eine größere Futtermasse; dieselbe ist aber von eringerm Nährwerte, weil die eigentlichen Nährtoffe in die Samen gewandert sind und holzfaserreiche und schwer verdauliche Stengel und Blätter zurücklassen. Die grünen Pflanzen kann man nach verschiedenen Methoden in Heu verwandeln, durch einfaches Trocknen, durch Trocknen auf Reitern und durch Braunheubereitung. Bei ersterm Verfahren wird das in Schwaden gemähte Gras ausgeschlagen, mehrfach gewandt und am Abend in kleine Haufen gesetzt, um am folgenden Tage von neuem in der beschriebenen Weise behandelt zu werden, bis eine völlige Trocknung erreicht ist. Klee wird nicht ausgeschlagen, sondern nur vom Schwad aus in kleine Haufen gebracht. Beim Trocknen auf Reitern, was namentlich beim Klee üblich, wird derselbe am zweiten Nachmittag nach dem Abmähen auf die Reiter (Gestelle mit drei Beinen und Querriegeln) gebracht und Rachtroane festgepackt. Es findet hier ein volliges Nachtrocknen statt. Bei der Tbnelten in der n läßt .* die grüne Masse erst abwelken, in der Regel also mehrere Tage liegen, um dieselbe dann in Mieten oder Frinen zu bringen, wo ein sehr —¹ Zusammentreten stattfinden muß. Die hierauf vor sich gehende Erwärmung des Haufens hat nach Verlauf von einigen Wochen ihr Ende erreicht; der Klee u. s. w. tellt dann eine braune, aromatisch riechende Masse dar. Der Vorteil der beiden obern Arten der Heugewinnung beruht in der größern Unabhängigkeit vom Wetter und Ersparung an Arbeit, letztere unter unandereid Witterungsverhältnissen bei der Dürrereitung eine sehr bedeutende ist. Häufiges eregnen schadet dem Heu, weil dadurch ein Teil der darin enthaltenen Nährstoffe ausgewaschen wird. Bei der Getreideernte bedient man sich zum Nahen derselben Geräte und Maschinen, wie zum Mähen des Grases, Klees u. s. w., nur mit Vornahme kleiner Anderungen in der Konstruktion. Die andte Sich im Kleinbetriebe mannigfach noch verwandte Sichel hat den Vorteil, daß auch Frauen und Kinder dieselbe handhaben können; dagegen ist die Leistung des Instruments eine beint Der richtige Zeitpunkt des Mähens ist beim Getreide von außerordentlicher Wichtigkeit. Je 6 Räh die Reife nähert, desto mehr wandern die Nähr toffe aus dem Stengel und 0 in die Körner; je länbal man also mit dem Schneiden wartet, um so gealtloser wird das Stroh, um so reifer werden die Körner. Beides ist aber nachteilig, denn die überreifen Körner fallen in großer Zahl aus und gehen verloren. Man soll deshalb mit dem Mähen beginnen, wenn sich die ersten Körner über dem Fin-Nern 5e brechen lassen, aber noch einen milchigen Kern u ich die Eiweißton Bei der Milchreife befinden sich die Eiweißstoffe und das Stärkemehl 1. in flüssigem Zustande; 444 ist es zweckmäßiger, zu diesem Zeitpunkte die E. vorzunehmen, als wenn die Körner schon fest (Vollreife) oder sogar völlig hart geworden sind (Totreife), weil der Verlust durch Ausfallen unter letztern Umständen ein enormer ist. Es kommt buß daß bei günstigem Wetter die Reife sehr schnell zunimmt, daß dann also, während das erst Gemähte gelbreif ist, das Korn der zuletzt gemähten Felder totreif wird. Das frühere Abbringen hat noch den Vorteil, daß dabei ein feineres Mehl und weniger Kleie erhalten wird. Am wenigsten Schaden verursacht das vorgeschrittenere Reifestadium beim Hafer, weil dieser dem Ausfallen nur in sehr geringem Grade ausgesetzt ist. Das Winterkorn wird beim Gebrauche der Sense Gemahtea an das noch stehende angehauen, das emähte abgerafft und gleich gebunden, Sommerkorn dagegen in Schwaden gelegt, nach einiger Zeit aufgeharkt und gebunden. Das Verfahren beim Trocknen des Getreides, namentlich des Weizens und des Roggens, ist ein sehr mannigfaltiges. Als sehr empfehlenswert ist das Aufsetzen in Puppen zu bezeichnen. Es wird dabei eine Garbe senkrecht mit dem Sturzende auf die Erde, hierauf meistens acht andere Garben im Kreise an dieselbe angelehnt und das Ganze mit einer stärkern Garbe zugedeckt, deren Ahren dachartig von allen Seiten über die übrigen Garben herabhängen. In den Puppen reifen die Körner im Schatten nach und das Getreide leidet selbst durch heftigen Regen nicht. Die Kreuzmandeln, bei denen zunächt vier Garben, mit ihren Ahrenenden zusammenstoßend, auf die Erde und oben auf 300 zwei ebensolche A9 ten gelegt werden, sind namentlich für spät, also sehr reif gewordenes Korn geeignet. Bei den Stiegen werden je zwei Garben mit den Sturzenden auf den Boden gestellt, mit den Ahrenenden gegeneinander Garber und in gleicher Weise eine Reihe von zehn arben an jeder Seite errichtet. Außerdem gibt es noch Pyramiden, Garbenkasten und Dach-Deraen v welche aber weniger verbreitet sind. Das ergen des Getreides, wobei trockenes Wetter von besonderer Wichtigkeit ist, geschieht entweder in Scheunen oder in rr welche zunächst auf dem elde zusammengefahren, später aber auch in die cheunen gebracht werden. Neuerdings wird das Getreide mit Hilfe der Dreschmaschinen zuweilen leich von den Puppen oder Stiegen aus oder auch später aus den Feimen gedroschen, was bedeutende Ersparnis an Scheunenraum und an Arbeitskraft mit sich bringt. Nach dem Abbringen des Getreides vom Felde wird letzteres mit einer sog. Hungerharke na Beharkt, um die zurückgebliebenen Halme ei der C. der Hülsenfrüchte, namentlich Bohnen und Erbsen, sind im allgemeinen dieselben Arbeiten vorzunehmen, wie bei der eben bes riebenen Getreideernte. Das Mähen muß erfolgen, wenn die am meisten in der Reife vorgeschrittenen Hülsen beginnen braun zu werden, da bei späterm Schneiden durch Ausfallen der Samen ein erheblicher Verlust entsteht. Die Hülsenfrüchte werden entweder gleich nach dem Mähen gebunden, oder man bringt dieselben auch, z. B. die Erbsen, ungebunden in die Scheunen. Die Olfrüchte, Raps, Rübsen u. s. w., sollen 91 werden, wenn die Schoten braune Bäckchen bekommen; man bindet das Abgebrachte in kleine Bunde, von denen 40 bis 60 Stück unter einer Strohhaube zusammengestellt werden und so lange auf dem Felde verbleiben, bis das Einfahren oder Dreschen vorgenommen wird. Bei ersterm sind die Erntewagen mit Leinwandplanen auszuschlagen, um die in reichem Maße ausfallenden Samen wiederzugewinnen. Um die C. vom Wetter unabhängig zu machen, um auch in nassen Sommern Gras un Getreide trocknen zu können, haben in allerneuester eit verschiedene engl. Landwirte, so Neilson, Gibb u. a., besondere Ernteverfahren ausfindig gemacht, welche in der Hauptsache darin bestehen, daß durch das in Feimen aufgesetzte Gras, Getreide u. s. w. mittels eigener Maschinen, welche durch Dampf oder Göpel getrieben werden, erwärmte Luft gesogen wird, welche sich mit der Feuchtigkeit des Getreides sättigt und dadurch letzteres trocknet. Nach den bisher vorliegenden Erfahrungen scheinen diese Methoden ihren Zweck noch nicht vollständig zu erfüllen. Die C. der Wurzelgewächse darf nicht zu früh len völlig reif geworden sind, wenigstens in landwirtschaftlichem Sinne, d. h. bis die Bildung von Stärkemehl (Kartoffeln) oder Zucker (Rüben)u, s. w. ihr Maximum erreicht hät. Bei den Kartoffeln bedient man sich entweder des Spatens oder der Gabel, im Großbetriebe dagegen des gewöhnlichen Pfluges oder eines besonders konstruierten Kartoffelpfluges. Rüben werden entweder mit der Hand oder mit einem speziellen Rübenspaten aus der Erde gehoben. Die Aufbewahrung der Wurzelfrüchte geschieht entweder in Kellern oder in Mieten auf dem Felde, was bei größern Mengen immer nötig sein wird. Die Mieten sind mit einer mindestens ¾ mstarken Erdschicht zu bedecken, um den Frost von dem Innern abzuhalten. —³ Die große Wichtigkeit, welche der Ausfall und die glückliche Bergung der E. für die Menschen im allgemeinen, wie 001 die Landwirte im speziellen besitzt, wurde schon bei den Griechen und Römern durch besondere Festlichkeiten nach Abschluß der E. bezeichnet. Das bei den christl. Völkern eingeführte kirchliche Erntedankfest, welches in Deutschland meistens am ersten Sonntage nach Michaelis geseiert wird, ist an Stelle der auch bei den alten Germanen üblichen Erntedankopfer getreten. Außerdem findet gewöhnlich noch eine vom Gutsherrn den Arbeitern gegebene Tanzbelustigung mit Bewirtung, das sog. Erntebier, statt, bei welchem letztere dem erstern eine Erntekrone oder einen Erntekranz übergeben. Erutehüter (Custos Messium), ein von Lalande eingeführtes Sternbild des nördl. Himmels bei der Cassiopea, in einer an kleinen namenlosen Sternen reichen Gegend. Es soll an den Kometenentdecker Messier erinnern. ů Erutemaschinen, s. unter Mähen.