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BaukunstBrockhaus 1882

Erwin, von seinem wahrscheinlichen Geburtsorte, dem Städtchen Steinbach in Baden, E. von Steinbach genannt, ist berühmt als Baumeister des Münsters zu Straßburg im Elsaß. Er wurde um 1240 geboren, erlernte 1254—59 als Steinmetz seine Kunst, war dann in der Zeit zwischen 1259 und 1263 auf der Wanderschaft in Deutschland und Frankreich, studierte besonders die neuesten Bauten in Paris, Rheims, Troyes u. s. w. Sämtliche hergebrachte Daten über Leben und Wirken des Künstlers sind übrigens durch die neueste Forschun stark erschüttert worden. Nach seiner Rückkehr na Deutschland baute er zuerst 1264—68 den östl. Teil der Stiftskirche zu Wimpfen im Thal, dann die Front und den berühmten Westturm des Münsters zu Freiburg i. Br. und siedelte endlich 1273 nach Straßburg über, wo er zunächst 1273—75 die Johanniskapelle an der Nordostseite des Chors des ünsters mit dem Grabmale des Bischofs Konrad von Lichtenberg, dann 1276—98 die Westfront bis über die Mitte der großen Rose hinaus, also etwa 30 m hoch, und nach einem großen Brande 1298 — 1318 das Langhaus des Münsters, welches erst sein Sohn Johannes 1339 vollendete, gebaut hat. Daneben soll er dann seit 1274 auch die Stiftskirche zu Haslach in den Vogesen, deren Bau einer seiner Söhne bis 1330 leitete, entworfen und den ursprünglichen Entwurf zu dem 1274 begonnenen Bau des Doms u Regensburg gefertigt haben. CE. war auch als lseines thätig, soll unter anderm auch das Grabmal seines Gönners, des Bischofs Konrad von Lichtenberg, an dessen Fuße der Meister sich selbst als kleinen, in trauernder Geberde dasitzenden Mann dargestellt hätte, und viele Skulpturen zu Wimpfen und Freiburg gefertigt haben. Er llein 17. Jan. 1318. Sein Grabstein ist in dem kleinen Höfchen bei der Johanniskapelle am Münster zu Straßburg noch erhalten. Im J. 1845 wurde ihm zu Steinbach in Baden ein Denkmal gesetzt. E. war ein Meister, welcher ganz auf der Höhe seiner Zeit stand; er war im Besitz der vollen Bildung eines Architekten jener Zeit, vereinigte in sich tüchtiges Können mit gediegenem Wissen und besaß viel Sinn für schöne Formen und gute Verhältnisse. Sein Sohn Johannes übernahm nach dem Tode des Vaters dessen Stelle am Münsterbau und behielt dieselbe bis zu seinem 13. März 1339 erfolgten Tode. Sein anderer Sohn Winhing (starb 1330) leitete den Bau der Kirche zu Haslach. Seine Tochter Sabine, die angebliche Bildhauerin am Münster, ist eine sagenhafte Persönlichkeit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 330Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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