Grimmelshausen (Hans Jak. Christoph von), der Verfasser einer Reihe von Prosadichtungen, die als die bedeutendsten Erscheinungen dieser Gattung im 17. Jahrh. zu bezeichnen sind. Er wurde zwischen 1620 und 1625 in Gelnhausen geboren, als zehnjähriger Knabe von den Hessen geraubt, diente dann mehrere Jahre als Soldat und erwarb sich als solcher in den verschiedensten Gegenden Deutschlands genaue Kenntnis der Eigentümlichkeiten, Sitten und sprachlichen Gewohnheiten der Bewohner. Nach dem Westfälischen Frieden nahm er zur weitern Ausbildung Stellungen an verschiedenen deutschen Fürstenhöfen an, zuletzt bei dem straßburger Bischof Leopold Wilhelm von Ssterreich, um dessentwillen er zur kath. Kirche übertrat und der ihn um 1665 zum Schultheiß in dem 1664 straßburgisch gewordenen Dorfe Renchen (jetzt Stadt im bad. Kreise Baden) ernannte. Hier lebte er seiner litterarischen Thätigkeit, bis er 17. Aug. 1676 — „ starb, nachdem er kurz vorher noch einmal vorübergehend Kriegsdienste genommen, als 1675 die Franzosen unter Turenne in Baden eingefallen waren. Zu Renchen wurde ihm 17. Aug. 1879 ein Denkmal (ein 6,5 m hoher Obelisk aus blaurotem Sandstein vom Bildhauer Breunig in Rastatt entworfen) gesetzt. Durch seine Verdienste hatte er sich den Ritteradel und den Adel der freien Studien (Doktorwürde) erworben. Sein Hauptwerk ist der erst in neuerer Zeit zur Anerkennung seines vollen Wertes gelangte biographische Roman «Simplicissimusv. G.s wahrer Name war lange vergessen, da er es liebte, denselben unter verschiedenen anagrammatischen Umwandlungen: Samuel Greifenson von Hirschfeld, Signeur Meßmahl, Michael Rechulin von Sehmsdorf, German Schleifheim von Sulsfort u. a., zu verstecken. Zwei seiner Erzählungen, Dietwalt und Amelindev (1670) und „Proximus und Lympidap (1672) führen denselben jedoch auf dem Titel; ein der ersten vorgedrucktes Ehrengedicht bezeichnet den G. ausdrücklich als Verfasser des «Simplicissimuso und anderer anonymer Schriften. «Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch, von German Schleifheim von Sulsforto lunge ist litterarhistorisch bedeutend als erster geungener Versuch, auch in Deutschland den Schauplatz und die Handlung eines Romans auf vaterländischen Boden und mitten in die Ereignisse der Gegenwart zu versetzen, wichtig für die polit. und Kulturgeschichte seiner Zeit, ästhetisch wertvoll durch Erfindung und Darstellung. Einen neuen Abdruck besorgte Wolff (Lpz. 1848; 4. Aufl. 1875) und, mit litterarischer Einleitung und Anmerkungen versehen, Tittmann (Bd. 7 u. 8 von «Deutsche Dichter des 17. Jahrh.»„ Lpz. 1874; 2. Aufl. 1877). Umarbeitungen lieferten E. von Bülow (Lpz. 1836), Lauckhard (Lpz. 1876) und C. H. Meyer (Brem. 1876). Um diesen Roman wie um ihren Mittelpunkt gruppieren sich mehrere kleinere Schriften, die demselben Zweck, nur mehr im einzelnen, dienen: «Trutz Simplexo oder Die Landstörzerin Courages (1669), „Der seltzame Springinsfeldo (1670) und im weitern Zusammenhange: „Das Wunderbarliche Vogelneste (Tl. 1 u. 2, 1672). Außer den obengenannten sind von G.: eine Bearbeitung der biblischen Geschichte von Josepho(1667) und eine Fortsetzung: «Musai (um 1670), sodann eine Anzahl asatirischero Schriften, welche dem Kampfe gegen die Laster und Thorheiten der Zeit in humoristischer Weise dienen, darunter einige, welche im engern Sinne als Volksschriften zu bezeichnen sind. Diese Thätigkeit beginnt mit dem Fliegenden Wandersmann nach dem Mondo, nach dem Französischen (1659); es folgen: die «Traumgeschichte von mir und diro (1660), „Schwarz und Weiß oder der Satirische Pilgremp (1666), «Der teutsche Michelo (1670), „Der Stolze Melchero (1672), Das Rathstübel Plutonisy (1672), Die verkehrte Welty (1673), Simplicissimi Galgenmännleino» (1673), «Des Abenteuerlichen Simplicissimi Ewigwährender Calender» (1670), Simplicissimi angeregte Ursachen, warum er nicht katholisch werden könner (16702), «Der erste Bärenhäuter sammt Simplicissimi Gaukeltasche» (1670), «Abbildung der wunderbarlichen Werkstatt des weltstreichenden Arztes Simplicissimiv (Einblattdruck, 1669). Seine Schriften erschienen in Gesamtausgaben zu Nürnberg (3 Tle., 1683 -1713), von A. von Keller (4 Bde., Stuttg. 1852 — 62½, von H. Kurz (in «Deutsche Bibliotheko, Bd. 3—6, Epz. 1863—64), von Tittmann (die obengenannte Ausgabe des «Simplicissimus v und «Simplicianische Schriften von G.»,‚ 2 Tle., Lpz. 1877, mit ausführlichen litterarischen und geschichtlichen Einleitungen und sprachlichen und sachlichen Erläuterungen, als 10. u. 11. Bd. von «Deutsche Dichter des 17. Jahrh.v», Lpz. 1877), von J. Bobertag, als 33. bis 35. Bd. von Kürschners «Deutscher National-⸗Litteraturo (mit dem ersten Neudruck vom Rathstübel Plutoniso, Berl. u. Stuttg. 1883).