Erythia (grch. Wtsol die rötliche (Insel), heißt in der griech. Mythologie eine der Hesperiden (s. d.) und dann ein mythisches Land im fernsten Westen, wo die Sonne im Abendrot untergeht. Hier weideten die Herden des Geryon (der drei riesige Leiber hatte), gehütet vom Hirten Eurytion mit seinem Hunde Ortheos, bis Herakles den Riesen und den Hirten wie den Hund erlegte und die Herden entführte. Später, als die geogr. Kunde vom fernen Westen heller wurde, suchte man E. in den westlichsten Gegenden, jenseit der Säulen des Herakles, namentlich da, wo in einer reichen Landschaft südlich von Bätis (Guadalquivir), dem Tartessos der Alten, die Phönizier Gades (Cadiz) gegründet und ihrem Gott Melkarth, in dem die Griechen den Herakles erblickten, einen berühmten Tempel erbaut hatten. Erhthrä hieß im Altertum zunächst eine Stadt in Böotien, nahe beim Schlachtfeld von Platää, welche schon zur Zeit des Pausanias verödet war, und dann auch die Tochterstadt derselben, eine der 12 ion. Städte in Kleinasien auf einem Vorsprung der Küste, gegenüber der Insel Chios. Die Stadt ist berühmt durch die nach ihr genannte Sibylle (s. d.). Im Kriege der Römer mit Antiochus d. Gr. stand E. auf der Seite der Römer und ward deshalb, gleich einer Anzahl anderer kleinasiat. Städte, zu einer derjenigen freien Städte erklärt, deren Freiheit nicht auf gegenseitigem Vertrag, sondern auf einer Bewilligung der Römer beruhte.