Geryon (oder Geryones, grch. auch Geryoneus) war nach der griech. Sage im Besitze roßer Rinderherden, welche sein Hirte Eurytion mit dem Hunde Orthros auf der Insel Erythia (s. d.) weidete, bis alle von Herakles, dem die Entführung der Herden des Eurytion von Eurystheus aufgeeben war, erlegt wurden. G. wird in älterer Zeit als ein Riese mit drei vollständigen Leibern eschildert, später wurde ihm ein Leib mit drei öpfen und sechs Armen und Beinen zugeschrieben. Da in Indien ein ähnlicher Mythos von dem Gotte Indra erzählt wird, der den Drachen Vritra (ogl. Orthros) erschlägt, um die Kühe, d. h. die in den Wolken des Himmels verborgenen Wasser, zu befreien, so hat man in der Sage von Herakles und G., wie in der von Hercules und Cacus einen uralten indogerman. Mythus finden wollen. Doch erklärt diese Deutung den Umstand in der griech. Sage nicht, daß die Herden des G. da weiden, wo die Sonne untergeht. Man hat deshalb in den Rindern auch die von der Sonne beschienenen Wolken erblicken wollen, welche bole der hellen, lichten Tage wären, die Herakles aus der Gewalt des G. befreit habe.