FeedErythem
HeilkundeBrockhaus 1882

Erythem (grch., soviel wie entzündliche Hautröte) bezeichnet in der Medizin eine akute oberflächliche Hautentzündung, welche sich durch ausgebreitete, auf Fingerdruck völlig verschwindende Röte der Haut, durch mehr oder minder lebhaftes Brennen und leichte Abschuppung der Epidermis kennzeichnet und sich von der Rose (s. d.) hauptsächlich durch ihre Entstehungsweise, ihren fieberlosen Verlauf, die geringere Schwellung der betroffenen Hautfläche und den Mangel von Drüsenschwellungen unterscheidet. Am häufigsten entsteht das E. durch mechan. Reizungen der Haut, besonders durch die Reibung einander zugekehrter Hautflächen Kat Wolf der Erwachsenen), durch den Druck von Kleidungsstücken (sog. Wundsein oder Frattsein der Kinder, Intertrigo), ferner durch Einwirkung hoher Temperaturen, insbesondere der direkten Sonnenstrahlen, durch chemisch reizende Stoffe, wie Senföl, Kanthariden, die Haare der Prozessionsraupe u.dgl. Namentlich in den Tropenländern kommen heftige erythematöse Hautentzündungen besonders bei denjenigen Ansiedlern häufig vor, welche die intensive Wirkung der Tropensonne noch nicht kennen und sich durch möglichst weitgehende Lüftung Kühlung zu verschaffen suchen. F nässer die Haut durch den reichlich abgesonderten Schweiß ist, um so heftiger ist die Wirkung, sodaß sich unter beträchtlichen Schmerzen große Stücke der Oberhaut abschälen. Ahnliches ereignet sich auch bisweilen unter den gemäßigtern Himmelsstrichen, infolge der verbreiteten Unsitte, nach dem Baden sich längere Zeit nackend den Strahlen der Mittagssonne auszusetzen. In der Regel genügt die Entfernung der genannten Schädlichkeiten, um auch alsbald das E. zum Verschwinden zu bringen; in hartnäckigen Fällen erweisen sich kalte Umschläge, Douchebäder und Streupulver aus Zinkoxyd (1 Teil) und Stärkemehl (4 Teile) nützlich. Verschieden von dem Bertuuf das E. ist durch seinen eigentümlichen erlauf das knotige Erythem (Erythema nodosum), welches bisweilen ohne bekannte Veranlassung bei jugendlichen Personen auftritt und sich meist wochen⸗, mitunter selbst monatelang hinzieht. Unter Fiebererscheinungen, Niedergeschlagenheit, Appetitmangel und Schlaflosigkeit bilden sich hauptsächlich an den untern Extremitäten, namentlich an den Unterschenkeln, walnußgroße, bei Druck sehr schmerzhafte, rote Hautknoten, welche große Ahnlichkeit mit den durch Stöße entstandenen Beulen besitzen und deshalb nicht selten Veranlassung zu bnen:Knot Anschuldigungen geben. Die entstandenen Knoten beruhen auf wenig umfangreichen, umschriebenen, mit Blutaustritt verbundenen Infiltrationen der tiefer gelegenen Hautschichten. Iminer erfolgt vollständige Heilung, doch ist bisweilen die Bekämpfung des Fiebers durch Chinin und die Hebung des Kräftezustandes durch roborierende Mittel (Eisen, China, Wein) erforderlich.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 331Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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