FeedErziehungskapital
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Erziehungskapital nennt man vom volkswirtschaftlichen Gesichtspunkte die Gesamtheit der Kosten, die aufgewendet werden müssen, um den Menschen von der Geburt durch die unproduktive Kindheits⸗ und Jugendperiode bis zu dem Alter der wirtschaftlichen Selbständigkeit und Erwerbsfähigkeit zu bringen. Das E. ist natürlich um so größer, eine je längere und kostspieligere Vorbereitung und Ausbildung für die von den Einzelnen gewählte Berufsthätigkeit erforderlich ist, und da infolge davon die Konkurrenz in den höhern Berufszweigen relativ vermindert wird, so wird man im allgemeinen in dem Ertrag der letztern auch die Verzinsung eines größern Kapitals sinden, als bei den leichter zugänglichen Erwerbszweigen. Doch muß auch der gewöhnliche Arbeitslohn ausreichen, um das Erziehungskapital des noch nicht arbeits⸗ +1 . Nachwuchses zu decken, da andernfalls (Arbeitsmangel und dadurch eine Lohnsteigerung eintreten wird. Die gegenwärtige Generation der Arbeiter erstattet gleichsam das in ihr Emertar E. dadurch zurück, daß sie ihre eigenen Kinder Genezieht; außerdem aber erwirbt sie der neuen Generation gegenüber Anspruch auf Unterstützung und Unterhalt in der zweiten unproduktiven Lebensperiode, der des Greisenalters, wie sie ihrerseits für ihre erwerbsunfähigen ältern Angehörigen zu sorgen hat. Durch Auswanderung, Krieg u. s. w. geht oft ein großer Teil der gerade in die produktive Periode eintretenden Personen und damit auch das in ihnen angelegte E. dem Lande verloren, während die Belastung der Volkswirtschaft durch die unproduktiven Altersklassen unvermindert bleibt. 6 Erz-Imprägnationen, s. unter Erzlagertätten. Trzingjan (Ersingjan oder Ersindschan, + Minga, Stadt im türk. Armenien, Vilajet Erzerum, 140 km im WSW. von Erzerum, Hauptort des Sandschaks Erzingjan, in 1366 m Höhe, am rechten Ufer des westl. Auellarms des Euphrat (des Karasu), über welchen zwei, 1* eine 2 sel voneinander getrennte Brücken führen. Die Stadt zählt 15 000 E., meist Türken, einige 20 Moscheen, 4 armen. Kirchen, Bazars und mehrere Bäder. Einige Stunden nördlich liegen die bedeutenden Ruinen der röm. Festung Satala, in deren Mitte das Dörfchen Sadak steht. Die Ebene von E. bis Kemach ist an Fruchtbarkeit und reicher Kultur in ganz Kleinasien unübertroffen; zwischen den ausgedehntesten Gärten stehen in derselben an 100 Dörfer mit 3000 Häusern. Die Landschaft um E. war bis ins 11. Jahrh. byzantinisch und Thema in den letzten beiden Jahrhunderten zum Thema Mesopotamia, hierauf zum Reiche der Seldschuken von Rüm, war um 1163 auf kurze Zeit eine eigene Herrschaft, im 13. und 14. Jahrh. den mongol. Ilthänen von Iräk unterthan und gehörte um 1400 zum Reiche des Timur. Im Mittelalter erscheint E. unter den Namen Arsinga und Arzengan.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 338Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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