FeedEschatologie
ReligionBrockhaus 1882

Eschatologie (arch.) heißt in der kirchlichen Dogmatik die Lehre von den sog. letzten Dingen lat. res novissimae, d. h. ultimae, grch. α οπάαντ/ unter denen man die Endgeschicke sowohl der Einjelnen nach dem Tode als auch der Welt und der Nenschheit verstand. Dahin pflegt man zu zählen Tod, Zwischenzustand, Tausendjähriges Reich (s. Chiliasmus), Wiederkunft Christi, Auferstehung, Weltgericht, Weltende. Im Mittelalter und in der Reformationszeit waren phantastische Ausmalungen der letzten Dinge bei apokalyptischen Parteien sehr verbreitet. Innerhalb der evang. Kirche beschäftigten sich damit namentlich die Theosophen (. d.) der Bengel-Oetingerschen Schule. Schleiermacher behandelte die E. unter dem Namen prophetischer Lehrstücke, welche keine eigentlichen Glaubenssätze seien, da sie nicht auf frommer Erfahrung beruhten, und wies die Widersprüche auf, in welche die Vorstellung sich notwendig bei Erörterung dieser Gegenstände verwickele. Der Rationalismus suchte wenigstens alle sinnlichen Vorstellungen abzustreifen, indem er sich einfach an die Hoffnung persönlicher Unsterblichkeit hielt. Die Hegelsche Schule bestritt auch diese und suchte das Unendliche im Endlichen, das Ewige im Zeitlichen als lebendige Gegenwart zu ergreifen. Die moderne theistische Spekulation (J. H. Fichte, Ulrici, Weiße, Rothe u. a.) hat die leibliche Fortdauer der Individuen neu zu begründen versucht und auf die C. wieder großes Gewicht gelegt, worauf die moderne Strenggläubigkeit sich mit 005 besonderer Vorliebe der Schilderung der eschatologischen Erwartungen zugewendet hat. Die neuere hiiezlich zahlreiche Litteratur über E. gehört ausschließli der orthodox-pietistischen Richtung an.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 347Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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