FeedEschenmayer (Adam Karl Aug.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Eschenmayer (Adam Karl Aug.), Philosoph und Naturforscher, geb. 4. Juli 1768 zu Neuenburg im Württembergischen, wurde 1811 außerord. Professor der Philosophie und Medizin in Tübingen und 1818 ordentlicher der praktischen Philosophie daselbst, zog sich 1836 in den Privatstand zurück und lebte seitdem zu Kirchheim unter Teck, wo er 17. Nov. 1852 starb. Den ersten Anstoß zu der Richtung, die E. später in der Behandlung der Naturwissenschaften eingeschlagen, erhielt er durch Kielmayr in Stuttgart. Seine Philosophie läßt sich auf die Kantsche Naturmetaphysik zurückführen. Auch von Schelling, der sich am Ende des 18. Jahrh. in verwandten Richtungen bewegte, gewann E. viele spekulative Anregungen für die höhere Auffassung der Naturwissenschaft, ohne jedoch an der absoluten Identitätslehre desselben teilzunehmen. E. war ein höchst fruchtbarer Schriftsteller. Unter seinen zah 2 der Schriften verdienen Erwähnung: „Sätze aus der Naturmetaphysike (Erlangen 1797), (Versuch, die Gesetze magnetischer Erscheinungen aus Sätzen der Naturmetaphysik zu entwickeln» (Tüb. 1798), „Die Philosophie in ihrem Übergange zur Nichtphilosophies (Erlangen 1803), „Versuch, die scheinbare Magie des tierischen Magnetismus aus physiol. und Rsorbißchen Gesetzen zu erklären» (Tüb. 1816), 4 Norm er Moralphilosophier (Stuttg. 1818), «Normalrechto (2 Bde., Stuttg. 1819—20), 4Psychologie in drei Teilen, als empirische, reine, angewandte » (Stuttg. 1817; 2. Aufl. 1822), «Religionsphilosophies (3 Bde., Tüb. 1818—24). Die Hinneigung zu einem religiösen und naturphilos. Mysticismus, die sich in diesen Schriften mehr oder weniger kundgibt, hat sich später bei ihm noch gesteigert und teils in einer heftigen Polemik gegen die Hegelsche Schule, teils in einer eifrigen Teilnahme und wiederholten Verteidigung der seit der Seherin von Prevorst sich immer mehr häufenden Geistererscheinungen geäußert. Relidis gehören seine Schriften: Die Hegelsche eligionsphilosophie veralichen mit dem christl. Prinzipv (Tüb. 1834), „Der Ischariotismus unserer Tager (Bd. 1, Tüb. 1835), gegen Das Leben Jesup von Strauß gerichtet, auf welchen Angriff Strauß in seinen Gegenschriften sehr nachdrücklich antwortete, «Konflikt zwischen Himmel und Hölle, an dem Dämon eines besessenen Mädchens beobachtete (Tüb. 1837), (Charakteristik des Unglaubens, Halbglaubens und Vollglaubens (Tüb. 1838). Sein Streben, den Gebieten der drei Ideen Wahrheit, Schönheit und Tugend das Heilige als Offenbarung und Transscendenz überzuordnen, zeigte sich vorzüglich deutlich in den Schriften: 4Grundriß der Naturphilosophiey (Tüb. 1832), 4Grundzüge der christl. Philosophiey (Bas. 1840), «Organon des Christentums (Stuttg. 1843), „Betrachtungen über den physischen Weltbau» (Heilbr. 1852).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 348Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6