FeedEsel (Equus asinus)
TierreichBrockhaus 1882

Esel (Equus asinus), ein bekanntes Haustier aus der Gattung oder Sippe der Pferde, unterscheidet sich von dem eigentlichen Pferd durch Länge der Ohren, der Haarbüschel am Ende des kurzbehaarten Schwanzes, die Kürze der aufrecht stehenden Mähne, den Mangel der Hornwarze an den Hinterfüßen. Es gibt verschiedene wilde Eselarten, die in ihren Vaterländern Asien und Afrika in Trupps zusammen leben, welche von einem Hengste geführt werden, äußerst kluge, scheue, vorsichtige und flüchtige Tiere, die sich mutig gegen Raubtiere wehren und deren Jagd als ein höchst schwieriges und kunstvolles Werk gilt. Man unterscheidet drei Arten wild lebender E.: den nordafrik. Steppenesel (Equus taeniopus), den Gurkur oder Onager (E. onager) und den Dschiggetai (E. hemionus). Der Steppenesel, der einige verwaschene Querstreifen in der erate der Hufe an den Beinen zeigt, kommt wahrscheinlich auf allen Steppen östlich vom Nil bis an die Küste des Roten Meeres vor; der Gurkur bewohnt Syrien, Arabien, Persien und Indien: der Dschiggetai oder Kulan endlich, welcher die Größe eines Maultiers hat, isabellfarbig ist und dem Pferde am nächsten kommt, ist in ganz Mittelasien bis Turkestan und Tibet heimisch. Nach Wilckens ist nur die erste Art, der nordafrik. Steppenesel, in den Hausstand übergeführt und als solcher der Stammvater unsers Hausesels; doch dürfte auch der Gurkur zur Bildung der Hausrassen beigetragen haben. Vernachlässigung und Einfluß eines ihnen ungünstigen Klimas haben diese Tiere in Europa sehr nere gehr shü Im Orient, wo man sie als Haustiere sehr schätzt, erscheinen sie unter weit edlerer Form, dienen zum Reiten und zeigen keine Spur von jenem Phlegma und der allerdings übertrieben geschilderten Dummheit, durch welche sie in Europa sprichwörtlich geworden sind. Schon in Spanien gewahrt man den Einfluß des mildern Himmels auf ihre Entwickelung. Durch ihre Kreuzung mit Pferden entstehen die Maultiere (s. d.) und Maulesel, ungemein Li r. und in Gebirgsgegenden kaum durch andere ersetzbare Reit⸗ und Lasttiere. Die Eselsmilch enthält mehr u˙ und ungleich weniger Käsestoff als die Milch anderer Säugetiere und wird als leicht verdaulich und nährend oft in Krankheiten verordnet, wo große Störung und Erschlaffung der Verdauungsfunktionen vorwalten. (S. Abbildungen auf Tafel: Einhufer, Fig. 1 und 3.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 355Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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