Espirito-Santo (span., d. h. Heiliger Geisty), Küstenprovinz Brasiliens, etwa zwischen 18 und 21 südl. Br., im N. durch den Rio Macury von der Provinz Bahia, im S. durch den Rio tabapuana von der Provinz Rio Janeiro gechieden, im W. durch die Botokuden oder Aimoreskette (Serra dos Aimores) der Serra do Mar gegen Minas-Geraes begrenzt, wird in der Mitte von dem 90 km aufwärts bis zu seinen Katarakten schiffbaren Rio Doce mit dem Esmeraldas durchflossen, außerdem auch durch zahlreiche andere sischreiche, aber nicht schiffbare Flüsse, wie Säo-Matheus, Guaxindiba und Itapemirim, gut bewässert und zählt auf 44 839 akm (1872) 82 137 E. (59478 Freie, 22659 Sklaven), also 1,8 C. auf je 1akm. Die Mündungen der Flüsse sind durch Barren gesperrt und unter den Einschnitten der Küste bietet nur die Bahia de E. einen guten Hafen. Im südl. Teile der Provinz treten die Ausläufer der Serra do Mar oft mit senkrechtem Abfalle an das Meer; im Innern erheben sich deren Gipfel bis zu 2100 m. Das tropische Klima ist durch die Seeluft, Gebirge und Wälder gemäßigt, der Boden Zuc fruchtbar und namentlich für den Anbau des Zuckerrohrs geeignet. Die großen Wälder liefern kostbare Hölzer und Droguen. Weite Strecken des Landes, namentlich der wilde und wenig bekannte Norden desselben, werden jedoch noch von Wilden bewohnt, welche, wie namentlich die Botokuden, die Kultur stören. Die Küstenniederungen erzeugen Zucker, Baumwolle, Reis, Maniok und Mais. Ein Teil der Bevölkerung nährt sich von der Fischerei in den Flüssen und namentlich am Meere. Ein Neuntel der Bewohner kann lesen und schreiben. Nur ein Sechstel der Kinder von 3—15 Jahren besucht die Schulen, obwohl die Prooinz ein Viertel der jährlichen Einnahmen für den öffentlichen Unterricht verwendet. Jetzt sind in der Provinz 131 Elementarschulen vork anden, welche 2216 Schulkinder zählen. An fremden Kolonien bestehen: Rio novo (4063 C.), Säo-José do Tirol (562 Tiroler); dabei Novo Tirol (251 Italiener), Santa-Leopoldina, 66 km nordwestlich von der Hauptstadt Victoria, 1817 gegründet im Hauptthale des Rio . mit stattlichen Gebäuden und einigen hundert Negern, in drei Gruppen, mit 7000, 3182 und 1184, zusammen 11366 Bewohnern. Diese fuhrten 1878 schon 479 160 kg des trefflichen Caravelhas-Kaffees aus und Waren für 390500 Mark ein. In der Bahia de Espirito-Santo oder der Bai von E. liegt auf einer Insel die Hauptstadt Nossa Senhora da Victoria oder Vietoria, in ihrer Nähe das Kloster Nossa Senhora da Penha, eins der reichsten Brasiliens, Wallfahrtsort mit wunderthätigem Marienbilde und entzückender Aussicht. Südöstlicher liegt die alte Hauptstadt Vil la de Espirito-Santo oder Villa Velha, jetzt ein unbedeutender, schlecht gebauter Ort. Die Küste der Provinz entdeckte der Portugiese Vasco Fernandez Coutinho 23. Mai 1535 (am Pfingsttage); nach diesem Tage wurde die Bai, in welche der Entdecker einlief, später die dort gegründete Stadt, endlich das ganze Land umher benannt. König Johann III. von Portugal machte dem Ent decker das Land zum Geschenk. Die dasselbe bewohnenden Botokuden und Aymores setzten aber der Kolonisation harten Widerstand entgegen, und letztere gelang später selbst den Jesuiten nicht. Ein Nachkomme des Entdeckers verkaufte 1674 das Land an Bahia; 1809 ward es dem Reiche einverleibt.