Cestius (Pyramide des). Dieses bis auf die Gegenwart vollständig erhaltene röm. Grabmal aus der ersten Augusteischen Zeit lag ursprünglich frei an der Via Ostiensis und wurde erst durch Kaiser Aurelian in den Ring der Stadtmauer von Rom mitverbaut. Es zeichnet sich nicht nur seiner eigentümlichen Form wegen vor andern Gebäuden der Art aus, sondern — auch durch die einst in demselben befindlichen Wandgemälde von Interesse; letztere sind jetzt fast ganz verschwunden, doch gibt es Abbildungen davon, z. B. von dem Archäologen Falconieri, der sie 1661 in Kupfer stechen ließ. Auf einer 84 em hohen Unterlage von Travertinstein erhebt sich die aus Backsteinen aufgeführte und mit starken Platten von weißem Marmor belkleidete Pyramide in einer Höhe von 36,6 m. Die Spitze ward neuerdings restauriert, nachdem der Blitz dieselbe zerstört hatte. Auf der Ost- und Westseite befindet sich eine gleichlautende lat. Inschrift, welche den Namen dessen, dem das Grabmal errichtet wurde, folgendermaßen . „C. Cestius Seute des Lucius, aus der poblilischen Tribus) Epulo, Prätor, Volkstribun, einer von den sieben Epuloneno; auf der östl. Seite ist darunter eine zweite Inschrift angebracht, aus der man entnimmt, daß das Grabmal in 330 Tagen nach testamentarischer Verfügung von dem Erben Pontius (Sohn des Publius, aus der claudischen Tribus) Mela und dem Freigelassenen Pothus errichtet ward. Im Innern befindet sich die geräumige Grabkammer (Em lang, 5 m hoch, 4 m breit); ein fester Stuckuberzug bedeckt die Wände, über denen sich ein Tonnengewölbe befindet. Decke und Wände waren mit Malereien geschmückt, welche weibliche Figuren darstellten. Wer dieser Gajus C. gewesen, dem das Grabmal angehört, ist nicht ganz sicher; vermutlich war er derselbe röm. Ritter und reiche Geschäftsmann, von dem Cicero in seiner Rede pro Placco (13, 31) spricht, welcher eine bedeutende Summe zu einem derartigen Denkmale testamentaris ch festsetzte. Die jetzt davorstehenden beiden Marmorsäulen wurden samt ihren Basen und zwei andern Basen, von denen die eine einen kolossalen Fuß von Bronze (etzt in der Bronzesammlung des Konservatoren-Palastes) trug, aus dem um die Pyramide angehäuften Schutt hervorgezogen. Papst Alexander VII. 90 1663 zuerst etwas für die Erhaltung dieses Monuments; von ihm rührt auch der jetzige Eingang zur Grabkammer her. An der Pyramide befindet sich der Gottesacker der Protestanten. Der kleine ältere enthält das Grab des Malers Carstens; 1825 wurde der größere Platz daneben zum Friedhof bestimmt, wo unter andern Goethes Sohn Hel 1830) und Shelley (gest. 1822) begraben sind. Vgl. «Beschreibung der Stadt Romp von Platner, Bunsen u. a. (Bd. 3, Stuttg. 1842) und «Octavii Falconierii de pyramide C. Cestii Epulonis dissertatioo (in Grävius, «Thesaurus antiquitatum Romanorumo, Bd. J).