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ErdkundeBrockhaus 1882

Essen, kreiserimierte Stadt im Regierungsbezirk Düsseldorf der preuß. Rheinprovinz, liegt in fruchtbarer und an Mineralschätzen überaus reicher Gegend, auf Ausläufern der die Wasserscheide zwischen Emscher (8 Em entfernt) und Ruhr (5 km von der Stadt) bildenden Ardeyberge, in 79 m Höhe über dem Meere, am Limbeckbache und an der Berne, zwei linksseitigen Zuflüssen des Emscher und ist Station der Linien Ruhrort-Steele-Dortmund-Soest (früher zur Bergisch⸗-Märkischen Bahn gehörig, jetzt unter der königl. Bahndirektion zu Elberfeld), Hochfeld-E.⸗Bochum-Dortmund (ehemals zur Rheinischen Bahn), der Strecke Berge-Borbeck-E. (3 km) und der Strecke E.⸗Altenessen (3,% km) der Preußischen Staatsbahnen (sämtliche genannte Strecken stehen unter dem königl. Eisenbahnbetriebsamt Essen (rechtsrheinisch!], die letzten drei unter der königl. Eisenbahndirektion Köln (rechtsrheinischl). E. ist Sitz des Landratsamts für den Stadtkreis und zugleich für den Landkreis Essen, eines Landgerichts (nebst Kammer für Handelssachen), einer Staatsanwaltschaft, eines Schwur- und eines Amtsgerichts, eines Katasterkontrolleurs; ferner haben hier ihren Sitz ein Kreisphysikus, ein Kreiswundarzt, ein Kreistierarzt, eine Kreisbauinspektion, drei Kreisschulinspektoren, drei Bergrevierbeamte, eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (von der die Reichsbanknebenstellen zu Gelsenkirchen und Mülheim a. d. Ruhr ressortieren), ein Untersteueramt, zwei Steuerkassen, zwei königl. Eisenbahnbetriebsämter, ein Landwehrbezirkskommando (1. Bataillon des 8. westfäl. Landwehrregiments Nr. 57), ein Gemeinde-Eichungsamt, ein Gymnasium, ein Realgymnasium und eine höhere Bürgerschule, zwei höhere Töchterschulen, eine Vorbereitungsschule für junge Bergleute, eine Fortbildungsschule, die essener Kreditanstalt, die Westdeutsche Versicherungsaktienbank, ein evang. Waisenhaus, eine städtische Anstalt für verlassene und verwaiste Kinder, der Essen-Werdener Knappschaftsverein, eine Sparkasse, ein landwirtschaftlicher Lokalverein. Die Stadt zählt (1880) 56 944 E. (35368 Katholiken, 20466 Cvangelische, 942 Juden, 168 Sektierer) und hat zwei evang., drei kath. Kirchen, eine Kapelle und eine Synagoge. Abgesehen von der kath. Gertrudiskirche, von Ringlake erbaut, und der evang. Pauluskirche, von Flügge, zwei stattlichen Neubauten got. Stils, ist namentlich die kath. Munsterkirche von kunsthistor. Interesse. Ihr Westchor stammt aus dem 9. Jahrh.; das Schiff wurde 1316, das hohe Chor 1445 vollendet, das Ganze von außen 1855 und gegenwärtig auch im Innern erneuert. Merkwürdig sind ein siebenarmiger Leuchter aus Erzguß (von der Abtissin Mechtildis, Nichte Kaiser Ottos II., 998 geschenkt) sowie eine überaus reiche Schatzkammer; der schöne Kreuzang stammt aus dem 11. und 12. Jahrh. Sonst ind von Bauwerken noch hervorzuheben: das Burguraße, das 5. das neue Rathaus an der Burg traße, das Postamt an dem schönen Burgschul die kaiserl. Bank, das Gymnasium, die Real⸗⸗ chule, das Knappschaftsgebäude, zwei Krankenhäuser, ein Hospital u. s. w. Durch eine Wasserleitung, die ihr Wasser von der 5 km entfernten Ruhr entnimmt, wird die Stadt mit Wasser verorgt. In unmittelbarer Nähe befindet sich der tädtische Garten mit einer großen Halle und geräumigen Parkanlagen. 4. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. C. verdankt seine gegenwärtige, . immer mehr entfaltende Blüte in erster Linie dem unerschöpflichen Reichtum an Steinkohlen (Ruhrbecken) und der durch diese mineralischen Schätze wachgerufenen Eisenindustrie. Im J. 1881 standen in dem Stadt- und dem Landkreise E. 47 Steinkohlenzechen im Betrieb, auf denen 6004 625 t Kohlen im Wert von 25132243 Mark gefördert wurden, wobei 19263 Arbeiter und 502 Dampfmaschinen thätig waren. In unmittelbarer Nähe der Stadt liegen fünf größere Tiefbauanlagen (Gruben Victoria Matthias, Graf Beust und Ernestine, Herkules, Sälzer und Neuack, Vereinigte Hoffnung und Sekretarius Aal). In neuerer Zeit hat die Stadt viel unter den Beschädigungen zu leiden gehabt, welche der Bergbau an der Oberfläche und den Gebäuden anrichtet. Weltberühmt ist die Gußstahlfabrik von Friedrich Krupp (s. d.). Außerdem befinden sich in der Stadt und deren nächster Ralannend Maschinenfabriken und Walzwerke (Maschinenbau-Aktiengesellschaft Union, Schulz Knaudt u. Comp. u. s. w.), vier Steinbrüche nebst Steinhauereien, zwei Kalkbrennereien, drei Ringofenziegeleien, funf Eisen⸗ %% vier Gelbgießereien, drei Fabriken für ampfkeffel, eine Gasanstalt, vier Stockfabriken, drei Färbereien, drei Dampfmahlmühlen, drei Bierbrauereien, vier Branntweinbrennereien, acht Liqueurfabriken, eine Rhrit mn eine solche für Senf und eine Wäschefabrik. Das ehemalige reichsunmittelbare Benediktinernonnenstift E. (in lat. Urkunden des Mittelalters Astnid, Astnide) ward 874 durch den Bischof Alfred von Hildesheim gestiftet. Die Äbtissin Hagona, eine Schwester König Heinrichs I., gestaltete den Ort durch Ummauerung im 10. Jahrh. zu einer Stadt, als welche sie zuerst 1003 genannt wird. Das Stift stieg durch Privilegien und Schenkungen zu solcher Bedeutung, daß es 1275 zu einem kaiserl. freiweltlichen Stift und die Abtissin zur Fürstin erhoben wurde. Die Schirmvogtei übten die Grafen von Berg-Altena und von der Mark, später deren Nachfolger, die Herzöge von Jülich-Kleve-Berg und Kurfürsten von Brandenburg. In den J. 1598 und 1627 wurde C. von den Spaniern, 1629 von den Niederländern und 1641 durch die Brandenburger unter Sparre eingenommen. Das 1803 säkularisierte Stift, dessen Gebiet etwa 165 qkm, zwei Städte (E. und Steele) und 14000 E. umfaßte, wurde 1802 von Preußen als Entschädigung in Besitz genommen und letzterm im Reichsdeputationshauptschluß von 1803 förmlich abgetreten. Seit 1807 dem Großherzogtum Berg einverleibt, kam es 1813 (formell 1815 durch den Wiener Kongreß) wiederum an Preußen. Vgl. Funcke, «Geschichte des Fürstentums und der Stadt E.v (Elberf. 1851), „Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift E.v (Essen 1881 fg.). Der Landkreis Essen zählt auf 189,5 qkm (1880) 117 904 E. (86 166 Katholiken, 31 164 Evangelische, 384 Juden, 190 Sektierer). — Der Landgerichtsbezirk Essen umfaßt die acht Amtserichtsbezirke Bochum, Borbeck, E., Gelsenkirchen, attingen, Steele, Wattenscheid und Werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 369Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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