Essener oder Essäer, eine jüd. Sekte, der man zuerst ums 2. Jahrh. v. Chr. begegnet. Wahrscheinlich sind sie ebenso wie die Pharisäer von der im malkabäischen Zeitalter hervorgetretenen Partei der Chasidim oder der Gesetzesfrommen ausgegangen, fertie aber gleich anfangs die Richtung auf prieterliche Reinheit und strenge Ascese eingeschlagen, wodurch sie im Gegensatze zu den volkstümlichen und thatkräftigen Pharisäern den Charakter eines engherzig und ängstlich sich abschließenden Geheimbundes in der jüd. Volksgemeinde annahmen. Eine Abhängigkeit der E. von griech., speziell Pythagoräischer Philofophie ist höchstens für die spätere daft und nur hinsichtlich einzelner Elemente glaubaft. Der Grundzug des Essäertums ist eine weltflüchtige Ascese, welche aus dem Streben hervorging, eine Gemeinde der Reinen darzustellen. I übten sie strenge Fasten, hielten das Sabbatgesetz und die Vorschriften über körperliche Reinheit mit äußerster Sorgfalt und gingen in der Schärfung der hierauf bezüglichen Forderungen noch weit über die Strenge des Gesetzes hinaus. Um ihrer Verwerfung der blutigen Opfer willen vom Tempelbesuch ausgeschlossen, richteten sie sich einen eigenen Gottesdienst mit zahlreichen Waschungen, Weihen, Gebeten und Opfermahlzeiten, bei denen kein Fleisch genossen werden durfte, ein und nahmen niemand ohne eine rigoröse Vorprüfung und fürchterlichen Eid in ihren Orden auf. Dagegen verwarfen sie den Eid im bürgerlichen Verkehr, den Krieg und alle auf Krieg und Erwerb von Reichtum abzielenden Beschäftigungen, beschränkten sich auf Ackerbau und friedliche Gewerbe und lebten untereinander in förmlicher, durch bestimmte Einrichtungen geregelter Gütergemeinschaft. Auch die Ehe ward, wenigstens von den Strengern unter ihnen, verworfen, doch nahmen sie gern fremde Kinder an, um sie in ihren Grundsätzen zu erziehen. über ihre theoretischen Lehren ist wenig bekannt, doch scheinen sie sich viel mit Geheimlehren über die Engel beschäftigt zu haben; sie übten die allegorische Schriftauslegung und verwarfen den buchstäblichen Sinn der alttestamentlichen Opfergesetzgebung. Im Volke als Heilkünstler beliebt, wohnten sie anfänglich in den Städten und in ländlichen Ansiedelungen und zogen sich erst später in die ödern Gegenden am Toten Meere zurück. Ob Johannes der Täufer mit ihnen in Verbindung stand, muß ungewa bleiben. Dagegen kann von essäischem Einfluß auf die Entstehung des Christentums keine Rede sein, vielmehr steht der demselben von Haus aus einwohnende religiöse Universalismus im prinzi-Weien Gegensatze zu dem sektiererisch beschränkten esen der E. Erst geraume Zeit nach Christus sche Cie in die Christengemeinden Palästinas essäiche Elemente eingedrungen zu sein. (S. Ebioniten.) Dagegen ist nicht nur die Schilderung der Apostelgeschichte von der Urgemeinde zu Jerusalem, sondern auch die judenchristl. Überlieferung über die Apostel Petrus, Matthäus und Jakobus den Gerechten essäisch gefärbt, und eine ganze Reihe judenchristl. Geheimschriften, besonders die Clementinen, tragen essäischen Charakter. Vermutlich gingen die E. seit der Zerstörung des Tempels zahlreich in die christl. Gemeinde über, in welche sie die Engherzigkeit des Sektenwesens und den zähen Widerstand gegen fortschreitende Entwickelungen hineintrugen, dafür aber nach Mitte des 2. christl. Jahrh. auch in dieser neuen Gestalt als häretisch verworfen wurden. Vgl. außer den betreffenden Werken über die Geschichte der Juden von Ewald, Jost, Herzfeld, Grätz und Derenbourg noch: Zeller, „Philosophie der Griechend (Bd. 3, 2, Lpz. 1881); Keim, Jesus von Nazaras (Bd. 1, Zür. 1867); Hausrath, Meutestamentliche Zeitgeschichtes (Bd. 1, Münch. 1879); Lipsius in Schenkels „Bibellexikono, Artikel «Essäerv; Leutbecher, «Die Essäerv (Lpz. 1857); Lucius, «Der Essenismus in seinem Verhältnisse zum Judentumo (Straßb. 1881).