FeedEstrées
GeschichteBrockhaus 1882

Estrées, ein altes franz. Geschlecht, welches seinen Namen von einem Schloß in der Nähe von Arras führt. — Jean, Marquis dEC., geb. 1486, war ein ritterlicher Krieger unter Franz I., Heinrich II., Franz II. und Karl IX. und besaß zuletzt die Würde eines Generallieutenants des Königs und eines Großmeisters der Artillerie. Er bekannte sich zum Protestantismus und starb 23. Okt. 1571. Sein Sohn, Antoine d'E., der Vater von Gabrielle d'Estrées (s. d.), war ebenfalls Großmeister der Artillerie, machte sich berühmt durch seine Verteidigung von Noyon 1593 und starb im Anfang des 17. Jahrh. als Gouverneur von Lafere, Paris und Isle-de-France. Frangois Annibal d'C., Sohn des Letztgenannten, geb. 1573, wurde 1648 zum Herzog von E. und Marschall von Frankreich erhoben. In seiner Jugend gehörte er dem geistlichen Stande an und erhielt bereits 1594 das Bistum Noyon. Seiner Neigung folgend nahm er dann unter dem Familiennamen eines Marquis von Coeuvres auf bedienste und wurde bald zum Generallieutenant befördert. Unter Maria de' Medici ging er als Gesandter an mehrere europ. Höfe und 1624 erhielt er das Kommando der vereinigten Truppen von Pundnern Venedig und Savoyen, um den Grauundnern das Veltlin zu —4 Hierauf als Gesandter nach Italien geschickt, machte er Mantua den Kaiserlichen streitig, mußte aber endlich kapitulieren. Dessenungeachtet erhielt er den Oberbefehl über das Heer in Deutschland und nahm 1632 Trier. Als außerordentlicher Gesandter mußte er dann nochmals nach Rom gehen und blieb daselbst bis 1648. Nach der Thronbesteigung Ludwigs XIV., wurde er Gouverneur von Isle-de-France und Soissons. Er starb 5. Mai 1670. Von seinen Zeitgenossen wird E. als Reformator der Artillerie gerühmt. Bekannt sind seine Memoiren über die Regentschaft der Maria de' Medici (Par. 1666). Jean. Graf d'E., der Sohn des vorigen, geb. 1624, focht mit Auszeichnung im Dreißigjährigen Kriege und gegen die mit der Fronde verbündeten Spanier, besonders 1654 bei der Erstürmung von Arras, ward aber 1655 als Generallieutenant der Belagerungsarmee von Valenciennes gefangen und erst mit dem Pyrenäischen Frieden wieder Ia Seit 1668 im Seedienst, bekämpfte er die engl.⸗amerik. Kolonien und 1669 die Raubstaaten an der afrik. Küste. Im J. 1672 befehligte er die franz. Flotte, die mit der englischen unter Herzog Jakob von Vork die holländ. Küste blockierte. Die Zurückhaltung, welche er dabei, vielleicht geheimen Weisungen seines Königs folgend, in den Schlachten in der Southwood-Bai und an den Dünen (7. Juni 1672 und 7. Juni 1673) beobachtete, machte ihn nicht nur den Engländern, sondern auch den eigenen Untergebenen verhaßt. Aber Ludwig XIV. vergalt ihm dies Verbmes durch erhöhte Würden, und E. rechtfertigte eine Tüchtigkeit 11— spätere Siege. Nachdem er den Admiral Byng geschlagen, entriß er den Holländern 1677 die Insel Tabago; 1681 wurde er dafür zum Marschall und 1686 zum Vizekönig der amerik. Kolonien ernannt. Im J. 1691 kämpfte er nochmals glücklich gegen die Engländer, erhielt dann das Gouvernement in mehrern Provinzen, zuletzt in der Bretagne. Er starb 19. Mai 1707. Victor Marie, Herzog d'C., Marschall von Frankreich und Grande von Spanien, der Sohn des vorigen, geb. 30. Nov. 1660, diente erst in der Landarmee, dann unter seinem Vater auf der Flotte, folgte demselben als Admiral und Generallieutenant, kämpfte glücklich gegen die Raubstaaten, gegen die Engländer und Holländer, befehligte 1693 die Flotte an der span. Küste, nahm 1697 Barcelona Uund wurde von Philipp V. von Spanien als Oberkommandant der span. Flotte in sein neues Reich hinübergenommen. Als solcher leistete er so große Dienste, daß Ludwig XIV. den Gunstbezeigungen seines Enkels noch den franz. Marschallsstab hinzufügte. Er führte 1704 sehr glücklich die franz. Flotte gegen die Verbündeten bei Malaga. Nach dem Tode seines Vaters erhielt er dessen Gouverneurstellen; 1715 wurde er zum Regentschaftsrat und 1733 zum franz. Minister ernannt. Er starb 28. Dez. 1737. Louis Charles César Letellier, Herzog d' E., Marschall und Minister von Frankreich, geb. 4. Mai 1697, war der Sohn Michel Letelliers de Courtanvaux und der Marie Anne Catherine d'C., der I des Grafen Jean d'E. Er diente zuerst in Spanien unter Berwick, dann als Generallieutenant unter dem Marschall von Sachsen, zeichnete sich mehrfach aus und erhielt von Ludwig XV. nebst dem Marschallsstab den Oberbefehl über das große Heer in Deutschland. Nachdem er 26. Juli 1757 bei Hastenbeck über den Herzog von Cumberland gesiegt, mußte er das Kommando an den Herzog von Richelieu abgeben. Nach der Niederlage bei Minden 1759 wurde ihm der Oberbefehl nochmals übertragen. Mit ihm erlosch 2. Jan. 1771 das Geschlecht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 388Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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