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BaukunstBrockhaus 1882

Etampes, ehemals Estampes, Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Depart. Seine-Oise, 50 km im SSW. von Paris, an der Linie Paris-Tours-Bordeaux der Orléansbahn, am Flüßchen E. in dem fruchtbaren Thale der Juine gelegen, hat ein Tribunal erster Instanz, ein Kommunal-Collége, eine Ackerbaukammer und Ackerbaugesellschaft, ein Zellengefängnis, ein Hospiz und mehrere monumentale Bauwerke, darunter drei alte merkwürdige Kirchen: St.⸗Basile, mit Portal und Turm aus dem 12. Notre der übrige Teil im 16. Jahrh. neu erbaut; Notre-Dame, im übergangsstil des 12. Jahrh., mit schönem Turm und mit Schießscharten in den Mauern; St.⸗Martin, ebenfalls aus dem 12. Jahrh., mit einem schiefen Turm. Das Stadthaus stammt aus dem Anfang des 16. Jahrh. Bemerkenswert ist auch die sog. Tour Guinette, der schöne, viereckige Donjon eines zwischen 1150 und 1170 erbauten, öfters als Königssitz benutzten und von Heinrich IV. zerstörten festen Schlosses mit 27 m hohen und 4 mdicken Mauern, in welchem Philipp August seine Gemahlin Ingeborg (Isemburga von Dänemarh 1199—1201 gefangen hielt. Auf dem Hauptplatze steht die 1857 errichtete Marmorstatue des hier geborenen Zoologen Geoffroy Saint-Hilaire von E. Robert. Die Stadt zählt (1876) 7399 E. und ist Mittelpunkt eines bedeutenden Korn⸗ und Wollhandels, sowie Hauptmarkt für das nach Paris gehende Getreide, Mehl, Gemüse, Trüffeln, Honig u. s. w. Außer vielen Getreidemühlen unterhält die Bevölkerung eine Wollspinnerei, Loh⸗ und Weißgerbereien und Fabriken für Strumpfwaren, Decken, Säcke, Wagenplanen u. s. w., auch Baumschulen. C. (Stampae im Pagus Stampensis) ist ein alter Ort, bei dem 604 in einer Schlacht die Hausmeier Beroald von Burgund und Lantherich von Neustrien fielen und den 886 die Normannen plünderten. Der Prinz Condé, nachdem er hier von Turenne geschlagen worden, eroberte die Stadt 1652. Im 14. Jahrh. wurde E. zur Grafschaft erhoben, deren Besitzer schnell wechselten. Als Franz I. seine Geliebte Anna von Pisseleu an Jean de Brosse, Grafen von Penthievre, verheiratete, verlieh er ihr 1534 die Grafschaft E., die er 1536 zum Herzogtum erhob. Nach Franz' I. Tode erhielt Diana von Poitiers das Herzogtum, das aber von Karl IX. 1562 an Jean de Brosse zurückgegeben wurde, mit dessen Tode es 1565 wieder an die Krone fiel. Heinrich IV. schenkte 1598 E. an seine Geliebte Gabrielle d'Estrées, durch die es an deren Sohn, den Herzog Cesar de Vendome, kam, dessen Nachkommen es bis 1712 besaßen, wo es wieder der Krone anheimfiel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 392Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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