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ErdkundeBrockhaus 1882

Limoges, Hauptstadt des franz. Depart. Haute-Vienne und der ehemaligen Provinz Limousin, amphitheatralischauf undaneinem Hügel in?87mHöhe, sowie rechts an der dreifach überbrückten Vienne, an der Linie Paris-Agen der Orléansbahn, die hier nach Angouléme, Brives und Meymac abzweigt, ist ein unregelmäßig und eng gebauter Ort, mit abhängigen Straßen, über welche die Dächer weit hinragen, und wurde erst in neuerer Zeit durch Abtragung der alten Thürme und Mauern und Anlage von Boulevards freundlicher und luftiger gestaltet. Die Stadt ist der Sitz eines Bischofs, des Generalkommandos des 12. Armeekorps, eines Appellhofs, eines Tribunals erster Instanz, eines Handels⸗ und zweier Friedensgerichte, einer Handelskammer und eines Gewerberats und zählt (1881) 59338 E. Von ihren öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus die schöne, zwischen 1273 und 1327 aus Granit erbaute, aber erst 1851 vollendete Kathedrale (St.⸗Etienne), mit einem 62 mehohen, schwach geneigten Glockenturme, die durch ihren kühnen, 55 mhohen Glockenturm berühmte Michaeliskirche, der 1787 vollendete bischöfl. Palast aus Granit mit herrlichen Terrassengärten, das 1881 vollendete Stadthaus, das schöne Bankgebäude, das große allgemeine Hospital, der bizarre Justizpalast, das 1838 auf der Stelle der alten berühmten Abtei St.⸗Martial erbaute Theater, sowie der Bahnhof. Auch hat der Ort interessante mittelalterliche Bauten aufzuweisen, wie das Templerhaus, das Grab des Herzogs Waifar von Aquitanien und die schöne Fontaine d'Igoulene. Merkwürdig sind auch die unterirdischen Zellen und Gewölbe in der Stadt. L. besitzt ein Lyceum, ein theol. Seminar, eine Vorbereitungsschule für Mediziner und Pharmageuten, eine Bibliothek von 23000 Bänden, ein keramisches Museum, eine Bildergalerie u. s. w., Gesellschaften für Archäologie und Geschichte von Limousin, fuür Ackerbau und Gartenhau, für Medizin und Pharmacie, sowie einen philharmonischen (Cäcilien⸗)Verein. Auch besteht hier ein Gestüt, ein Strafgefängnis, ein Zuchthaus, eine Besserungsanstalt für Frauen, mehrere Krankenhäuser, eine Irrenanstalt u. s. w. Im Juni werden bei L. die Pferderennen für die nächsten Departements gehalten. Die Stadt ist einer der industriellsten Orte Frankreichs; sie produziert jährlich für 30 Mill. Frs. und hat 35 Porzellanmanufakturen, welche bei 80 Ofen an 6000 Arbeiter beschäftigen, 54 Porzellanmalerwerkstätten mit 800 Arbeitern (der Thon kommt von St.⸗Hrieir), Woll⸗ und Baumwollspinnereien, berühmte Fabriken in Tuch, Kasimir und Flanell, sowie in allerlei andern Wollzeugen, in Halbwollwaren (Droguets), in sog. Englischen Leder (Cuirs de laine) u. s. w. Außerdem fertigt man Wachslichte, Handschuhe, Hüte, Papier, lerwaren, Schuhwerk, Holzschuhe (Sabots) un unterhält Hohöfen, Nagel-⸗ und Messerschmieden, Wachsbleichen, Bierbrauereien, Brennereien, Gerbereien. Bedeutend ist ferner die Buchdruckerei und der Buchhandel. Zudem bildet L. einen wichtigen Stapelplatz sür den Handel zwischen Paris und Südfrankreich, und treibt mit den genannten Industrieerzeugnissen, sowie mit Getreide, Kastanien, Wein, Pferden, Schlachtvieh und sonstigen Landesprodukten einen ansehnlichen Handel. Die im 14. bis zum 18. Jahrh. hier blühende Kunst des Emaillierens, die Verfertigung der unter dem Namen Limosinen (s. d.) berühmten Emailarbeiten hat dagegen ganz aufgehört. — L. ist das Augustoritum der Römer, im Lande der gallischen Lemovices, war zur Kaiserzeit eine der schönsten Städte Galliens, ein Knotenpunkt mehrerer Hauptstraßen, hatte ein Amphitheater und weist noch jetzt Überreste aus der Römerzeit auf. Später erhielt die Stadt den Namen Limovicae (auch Lemovica). Sie ist einer der ältesten Mittelpunkte des Christentums in Gallien, lieferte der Kirche 4 Päpste und 60 Heilige und besaß vor der Revolution über 40 Klöster. L. ist Geburtsort des Girondisten Vergniaud und des Marschalls Jourdan, dem hier eine Statue von Elias Robert errichtet worden ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 81Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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