Eugenie (Eugenie Marie von Montijo), ehemalige Kaiserin der Franzosen, geb. 5. Mai 1826 zu Granada in Andalusien, zweite Tochter des Gra—⸗ fen Manuel Fernandez von Montijo, Herzogs von Peneranda (gest. 1839), und der Maria Manuela Kirkpatrik von Closeburn (gest. 22. Nov. 1879 in Madrid), stammt väterlicherseits aus dem altadeligen, im 14. Jahrh. von Genua nach Estremadura ausgewanderten Geschlecht Porto-Carrero, das infolge von Verschwägerungen die Namen Guzman, Cordova, La Cerda, Leira noch zu dem seinigen hinzusetzen durfte und die drei Grandenwürden erster Klasse von Teba, Banos und Mora vereinigte. Durch ihre ebenfalls in Andalusien geborene Mutter gehört sie zu einer schottischen kath. Familie, die nach dem Sturze der Stuarts flüchten mußte. Abwechselnd in Frankreich und England erzogen, verlebte sie den größten Teil ihrer Jugend auf Reisen mit ihrer Mutter, unter dem Namen Gräfin Teba. Bei ihrem Erscheinen auf den Festen des Präsidenten im Clysée (1851) machte sie viel Aufsehen durch die Grazie ihrer Person, und nach der Wiedereinsetzung des Kaiserreichs in Frankreich lenkte Napoleon 1II., welcher vergeblich um die Hand von Prinzessinnen aus europ. Dynastien angehalten, seine Wahl auf die Gräfin Teba. Die Vermählung wurde 30. Jan. 1853 in der Notre-Damekirche zu Paris mit Prunl gefeiert. Am 16. *— 1856 wurde sie von einem Sohne entbunden, welcher den Namen Napoleon und den Titel Kaiferlicher Prinz (prince impérial) erhielt. Bei der Abreise des Kaisers zum ital. Feldzuge (1859) erhielt sie die Reichsregentschaft übertragen, und auch während der Reise des Kaisers nach Algier im Mai und Juni 1865 war sie Reichsverweserin. Von wohlunterrichteter Seite wird ihrer Einmischung in die Angelegenheiten der auswärtigen Politik der größte Teil der Schuld an dem Französischen Kriege von 1870/71 zugeschrieben. Bei Ausbruch desselben wurde sie wieder zur Regentin ernannt, mußte aber schon 4. Sept. 1870 die Tuilerien verlassen (s. Frankreich), erreichte 7. Sept. den Hafenort Deauville und schiffte sich 8. Sept. nach England ein. Seit 9. Jan. 1873 Witwe, lebt sie als Gräfin von Pierrefonds wesentlich zu Chiselhurst. Nachdem ihr einziger Sohn 2. Juni 1879 im Kampfe der Engländer gegen die Zulukaffern gefallen war, besuchte sie 1880 die Todesstätte desselben.