FeedEuphorbia L.
PflanzenreichBrockhaus 1882

Euphorbia L., Wolfsmilch, die Hauptgattung der Familie der Euphorbiaceen, eins der artenreichsten und merkwürdigsten Pflanzengeschlechter, von dem über 300 Arten bekannt sind, von welchen nur wenige krautartige in Europa wild wachsend vorkommen, während die saftigen, baumartigen Neren den heißen Zonen beider Erdhälften angehören. Alle besitzen einen charakteristischen scharfen Milchsaft, der I bei einigen Arten, z. B. bei E. balsamifera, mild und genießbar ist. Die Milch der brasil. Art E. phosphorea soll nach Martius phosphorartig leuchten. Die eigentümliche Euphorbienblüte ist zuerst von R. Brown richtig gedeutet worden. Nach ihm nimmt man eine einem Kelche gleichende mehrblätterige oder einblätterig-glockenförmige, oben mit wachsglänzenden, oft gehörnten Scheiben und auch mit Blumenblättern besetzte Hülle an; in dieser befinden sich zahlreiche, auf einem Stiele eingelenkte Staubfäden, deren jeder als eine einmännige Blüte anzusehen ist, an deren Basis ein borstenförmiges Deckblättchen steht. In der Mitte erhebt sich der oft gestielte dreiknospige Die Eumtorbt So ist also in gewisser Beziehung die Euphorbienblüte dem Blütenkorbe einer Komposite vergleichbar. Aus der Hahl der baumartigen, kaktusähnlichen Formen finden sich in den Gewächshäusern vorzugsweise folgende: E. canariensis, mit ihren aufsteigenden blattlosen Asten und Zweigen einem riesigen Kandelaber vergleichbar, der Stamm hat fünf oder sieben stark hervortretende, dornige Rippen; E. officinarum, mit einem zwölf-⸗ bis achtzehnkantigen Stamm, der in doldenartig geordnete, blattlose, mit paarweisen kurzen Dornen besetzte Zweige endigt; E. balsamifera enthält, wie schon bemerkt, eine nant angeichw Milch, von welcher die Zweige dergestalt angeschwollen sind und strotzen, daß sie bei einem Schlage mit dem Stocke in einem Strahle weit fortspritzt. E. mammillaris, mit ihrem siebenkantigen, blattlosen, mit geraden Dornen besetzten Stamme einem Melonenkaktus so täuschend ähnlich, daß man sich nur durch die Form der Blüten an der Spitze der Zweige und die bei einem Stiche hervorzuquellende Milch von der wahren Natur dieser Pflanze überzeugt; E. caput Medusae, eine aus dem nördl. Afrika Art ut eit in den Gewächshäusern sehr häufige Art mit einem kopfförmigen Stamme, aus dessen Scheitel viele nach allen Richtungen hin sich biegende fleischige Aste hervorkommen. Während diese und andere Arten in den Gewächshäusern bloß wegen ihres seltsamen Ansehens gezogen werden, besitzen einige andere ein gewisses blumistisches Interesse, vorzugsweise folgende: E. fulgens (E. jacquiniaeflora), in Mexiko einheimisch, mit eirundlichen bis herzförmigen Blättern und Blumen an der Spitze der Astchen in einseitigen Trauben, mit einer regelmäßigen, glockigkreiselförmigen, fünfspaltigen, oben brennend scharlachroten, unten dottergelben Hülle, und E. splendens, von Madagaskar, mit länglichen, nach unten verschmälerten Blättern mit aufgesetzter langer Spitze, mit einer zweispaltigen Dolde scharlach-zinnoberroter Blumen. Diese Art blüht im Frühjahr, die erstgenannte den ganzen Winter hindurch. Ebenso schön und kulturwürdig ist E. punicea mit leuchtend purpurroten Blumen. Der einzige Mißstand bei diesen Gewächsen ist der unangenehme, sperrige Wuchs, bei E. splendens auch die scharfe Bawchrung des Stammes. Alle diese Gewächse gehören in das Warmhaus, können aber auch recht gut in Wohnzimmern unterhalten werden. Im Winter müssen sie dieht unter dem Glase stehen und dürfen nur sparsames Wasser erhalten. Im Sommer kann man sie im Freien auf ein sonnig gelegenes, bedachtes Gestell stellen. Nach der Blüte stutzt man die Zweige, um eine reichere Verästelung hervorzurufen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 426Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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