FeedEusebius von Cäsarea
ReligionBrockhaus 1882

Eusebius von Cäsarea, mit dem Beinamen Pamphili, d. h. Freund des Pamphilus leines gelehrten Presbyters zu Cäsarea), der Vater der christl. Kirchengeschichte, geb. wahrscheinlich in Calästina gegen 270 n. Chr., wurde Bischof von Cäsarea 314 und starb um 340. Er war der gelehrteste der griech. Kirchenlehrer des christl. Altertums und hat in seinen zahlreichen Werken reiche Auszüge aus einer Menge jetzt längst verlorener Schriften hinterlassen. Seine theol. Richtung erhielt er durch das Studium des Origenes. In den Arianischen Streitigkeiten war ereiner der vornehmsten Wortführer einer mittlern Meinung, welche die dogmatische Unbestimmtheit der ältern Väter festzuhalten suchte. Der spätern Orthodoxie ist er daher als Semiarianer verdächtig, was den frühen Untergang mancher seiner Schriften veranlaßt haben mag. Sein Hauptwerk ist seine Kirchengeschichte, welche in zehn Büchern die innere und äußere Entwickelung des Christentums von seinem Ursprunge bis zum J. 324 auf Grund umfassender Quellenforschung mit urkundlicher Treue und so viel Kritik, als seiner Theologie und seinem Zeitalter möglich war, doch ziemlich planlos und mit sehr Vprtgrreht wurd Behandlung des Stoffs erzählt. Fortgesetzt wurde sie von Sokrates, Sozomenos, Theodoret und Evarius, ins Lateinische frei übertragen und bis 395 fortgefuhrt von Rufinus. Ausgaben besorgten in neuerer Zeit Heinichen (3 Bde., Lpz. 1827; 2. Aufl. 1868—70), Burton (2 Bde., Oxf. 1838; Annotationesv, 2 Bde., 1852), Schwegler (Tüb. 1852) und Lämmer (Schaffh. 1859—62); deutsche übersetzungen Stroth (Quedlinb. 1776 fg.) und Cloß (Stuttg. 1839). Sein bis tief ins Mittelalter hinein a Quelle aller synchronistischen Geschichtskenntnis benutztes, übersetztes, ausgezogenes und fortgesetztes „Chroniconp enthält einen Abriß der Weltgeschichte bis 325, und chronol. Tabellen, welche Hieronymus, sein lat. Bearbeiter, bis 378 fortgeführt hat (herausg. von Scaliger, Amsterd. 1658). Das griech. Original ist bis auf Bruchstücke verloren; eine 1792 aufgefundene armen. lübersetzung wurde von Aucher und von Mai herausgegeben, die neueste und vollständigste Ausgabe ist von A. Schöne (Bd. 2, Berl. 1866, Bd. 1, 1875). Von des E. übrigen Schriften sind besonders zu erwähnen die Praeparatio evangelican, eine Bestreitung des Heidentums in 15 Büchern, mit Ruhr. reichen Auszügen aus den Schriften griech. Philosophen (herausg. von Viger, Par. 1628; Heinichen, Lpz. 1842; Gaisford, Oxf. 1843); die«Demonstratio evangelican, ein apologetischer Beweis der Wahrheit des Christentums in 20 Büchern, von denen nur noch zehn erhalten sind (herausg. von Montaigue, Par. 1628; Gaisford, Oxf. 1852); die Theophaniao, eine kurze Zusammenfassung des Inhalts der zwei vorerwähnten Werke, nur in syr. Abertebung erhalten (herausg. von Lee, Lond. 1842, und in engl. Übersetzung, Cambr. 1843); die Lebensbeschreibung des Kaisers Konstantin (herausg. von Heinichen, Loz. 1830; 2. Aufl. 1869), in welcher er sich als schmeichelnder Lobredner und schönfärbender Hoftheolog zeigt, und das «Onomasticonv, ein alphabetisches Verzeichnis der biblischen Ortsnamen, Bruchstück eines größern Werks (herausg. von Larsow und Berl. 1862, und von Layard, Gött. 1870). Minder bedeutend sind seine dogmatischen und exegetischen Werke, von denen noch ein beträchtlicher Teil erhalten ist. Die einzige Gesamtausgabe der 4Operap des E. von Migne (6 Bde., Par. 1856—57) ist in kritischer Beziehung wertlos. Unvollständig ist die Ausgabe von Dindorf, «Eusebii Caesariensis opera (4 Bde., Lpz. 1867—71). Vgl. Baur, «Die Epochen der kirchlichen Geschichtschreibunge (Tüb. 1852); Stein, E. nach seinem Leben, Schriften und dogmatischem Charaktery (Würzb. 1859); Hely, E. de Césarée, premier historien de l'église (1877); Th. Brieger in seiner „Zeitschrift für Kirchengeschichtes (1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 445Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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