FeedDiodörus
ReligionBrockhaus 1882

Diodörus, Bischof von Tarsus, stammte aus einer vornehmen Familie Antiochiens, studierte zu Athen die klassische Litteratur und unter Eusebius von Emesa christl. Theologie. Als Presbyter in seiner Vaterstadt widmete er sich mit größter Selbstverleugnung einem streng ascetischen Leben und mit unablässigem Eifer der Verteidigung des christl. Glaubens gegen Heiden und gegen Aufachan Deswegen heftig angefeindet und mehrfach aus Antiochien vertrieben, mußte D. 372 in Armenien Schutz suchen, wo er die treue Freundschaft Basilius' d. Gr. gewann. Auf dessen Verwendung ward er 378 zum Bischof von Tarsus erhoben, wo er um 394 a Als Theolog war D. der Begründer der sog. Antiochenischen Schule (s. d.). Er vertrat deshalb eine nüchterne, grammatisch-histor. Auslegung der Schrift und betonte in der Christologie die Selbständigkeit der menschlichen Natur neben der göttlichen. Nach seinem Tode wurde er deshalb des Nestorianismus beschuldigt, und dies mag der Grund dazu sein, daß von seinen zahlreichen exegetischen, dogmatischen und homiletischen Schriften nur wenig auf uns gekommen ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 369Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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