FeedEvangelienharmonie
ReligionBrockhaus 1882

Evangelienharmonie nennt man eine aus allen vier Evangelien zusammengearbeitete Darstellung der Geschichte 920 Die älteste Zusammenstellung dieser Art ist das sog. Diatessaron (d. h. edurch Vierv) des Tatian, welches um 170 in griech. Sprache verfaßt, aber namentlich in syr. Gemeinden verbreitet und noch um die Mitte des 4. Jahrh. in Edessa gottesdienstlich verlesen wurde. Dasselbe begann mit den Anfangsworten des Johannes-Evangeliums, dagegen fehlten darin die Genealogien Jesu. Noch in der Zeit vor Fixierung des Kanons entstanden, scheint es n hehande den Text unserer Evangelien ziemlich frei behandelt zu haben und kam später in den Geruch der Ketzerei, daher der syr. Bischof Theodoret ums J. 400 alle in seinem Sprengel verbreiteten Exemplare desselben konfiszieren und durch unsere kanonischen Evangelien ersetzen ließ. Das Diatessaron Tatians ist jetzt verloren, aber seinem Inhalte nach zum größten Teile noch aus einem Kommentar, den der heil. Ephrem dazu schrieb, bekannt. Eine jüngere, stark veränderte Bearbeitung in lat. Sprache wurde durch Victor von Capua (gest. 544) bekannt gemacht; eine althochdeutsche Übersetzung der letztern ist als »Deutscher Tatiano bekannt (herausg. von E. Sievers, Jena 1872). Vgl. Zahn „Tatians Diatessaron (Erlangen 1881). Ein ganz anderes Werk war das »Diatessaron v des Ammonius von Alexandria (3. Jahrh.). Demselben lag das Evangelium des Matthäus zu Grunde; der Text der drei andern Evangelien war in zahlreiche kleine Sektionen geteilt, auf welche durch Buchstaben und Ziffern am Rande des Grundtextes verwiesen wurde. Deutsche Bearbeitungen der evang. Geschichte auf Grund aller vier Cvangelien sind aus dem 9. Jahrh. der „Kristo des weißenburger Mönchs Otfried (s. d.) und des «Heliando (s. d.). ů ö‚ Die Bezeichnung E. (harmonia evangelica) wird zuerst für die gelehrte Bearbeitung der vier Evanelien von Martin Chemnitz ollendet 1593 durch Zohann Gerhard) gebraucht. In neuerer Zeit pflegt man eine solche Zusammenstellung des griech. Textes aller vier Evangelien zu wissenschaftlichen Zwecken Synopse oder Synopsis (s. d.) zu nennen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 453Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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