Evangelium (grch.), zun die Bolcr Botschaft, bedeutet in der christl. Urzeit die Botschaft von der Ankunft des den Vätern verheißenen und in Jesu erschienenen Messias und wurde erst späterhin auch von den Schriften gebraucht, in welchen die Nachrichten von Jesu Leben, Lehre, Thaten und Schicksalen aufgezeichnet sind. (S. Evangelien und Evangelienkritik.) In der christl. Dogmatik wird das E. als die Botschaft von der Mutlchen Gnade in Christus dem Gesetze als der sittlichen Anforderung Gottes an den Willen des Menschen gegenübergestellt und beide Stücke unter dem Naliche Sekten verstanden unter E. das allen wahren Christen zur Ier Wooitel dargestellte arme Leben Christi und seiner Apostel. In der Reformationszeit wurde E. speziell von der durch den Glauben allein anzueignenden Sündenvergebung auf Grund des Verdiensteso oder des stellvertretenden Opfertodes Jesu Christi verstanden, und denselben Sinn Wobt die moderne Orthodoxie noch heute mit dem orte zu verbinden. Dagegen braucht die freie Theologie der Gegenwart den Ausdruck nicht in diesem exklusiv dogmatischen, sondern in dem sittlich-religiösen Sinne der Verkündigung der durch Christus überhanpt göttlichen Heils- oder Reichsordnung überhaupt, d. h. der sittlich-religiösen Bedingungen, unter welchen der Einzelne innerhalb der christl. Gemeinschaft seiner Versöhnung mit Gott und der Kraft eines neuen gotteinigen Lebens gewiß wird. Das Wort E. bezeichnet ferner in der christl. Kirche einen Abschnitt evang. Geschichte, den der Geistliche beim Gottesdienste an Sonn⸗- und Festtagen vorliest oder (in der kath. Kirche) der Diakonus beim Hochamte singt. Man wählte dazu solche Abschnitte, welche in einer Beziehung zu dem gottesdienstlichen Tage standen: in der Zeit vom Advont bis zum Trinitätsfeste diejenigen Teile der Evangelien, die sich auf die Ankunft Jesu, h sein Leben, Leiden und Sterben, auf die Auferstehung, Eonenm und Sendung des Heiligen Geistes ezogen; in der Zeit vom Trinitätsfeste bis wieder zum Advent solche Teile, die den Weg zur Tugend und Frömmigkeit vorzeichneten. (S. Perikopen.)