FeedEye (Joh. Ludolf Aug. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Eye (Joh. Ludolf Aug. von), deutscher Kunst- und Kulturhistoriker, geb. 24. Mai 1825 zu Fürstenau, einem Städtchen im damaligen Königreich Hannover, besuchte das Ratsgymnasium zu Osnabrück und bezog im Herbst 1845 die Universität Göttingen, um auf Wunsch seiner Eltern Jurisprudenz zu studieren. Später wandte er sich philos. und geschichtlichen Studien zu, die er in Berlin fortsetzte, lebte als Erzieher auf dem Schlosse Vösendorf bei Wien und dann zur Vervollständigung seiner Studien an verschiedenen Orten Deutschlands. Nach kurzem Aufenthalt am Rhein ward E. im Frühjahr 1853 als Vorstand der Kunst⸗ und Altertumssammlungen an das neubegründete Germanische Museum nach Nürnberg berufen. Hier veröffentlichte eré«Kunst und Leben der bitlent (3 Bde., Nürnb. 1854fg.; 3. Aufl. 1868, mit vielen Kupfern), „Galerie der Meisterwerke altdeutscher Holzschneidekunst. Mit facsimilierten Nachbildungend (Nürnb. 1857, Fol.), wie das vorige Werk in Gemeinschaft mit J. Falke herausgegeben; «Deutschland vor dreihundert Jahren in Leben und Kunst aus seinen eigenen Bildern dargestellto (Lpz. 1857, Fol.). Diesen vielbenutzten Bildwerken schlossen sich an 4Leben und Wirken Albrecht Dürerso (Rördl. 1860) und Eine Menschenseele, Spiegelbild aus dem 18. Jahrh.v Rördl. 1863). Als die Verhältnisse am Germanischen Museum sich günstiger gestaltet hatten, schritt E. zur Ausführung des Gedankens, den er sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, nämlich die Resultate, die bisher auf den verschiedenen Gebieten der Geschichtswissenschaft, namentlich der Kunst⸗ und Kulturgeschichte, gewonnen wurden, im Anschluß an die neuesten Hal og.⸗anthropolog. Forschungen, doch unter Festhaltung eines idealen Gesichtspunktes, zu einem zusammenhängenden Bilde zu vereinigen. Als Vorarbeit zu diesem Unternehmen erschien zunächst zur Feststellung der Ausgangspunkte „Wesen und Wert des Daseins» (Berl. 1870). unrischen übernahm E. die Bearbeitung der Abteilung «Kulturgeschichtes für die zweite Auflage des Bilder-Atlaso (Lpz. 1875), welche einen vollständigen Abriß der Kulturgeschichte gibt. Das Anerbieten einer Professur seitens der brasil. Re-R veranlaßte ihn 1874 zu einer Reise nach Rio; 1875 zog ihn ein Ruf der sächs. Regierung nach Dresden, wo er der neugegründeten Kunstgewerbschule ein entsprechendes Museum errichten half. Hier verfaßte er im Anschluß an die Bestrebungen um Herstellung eines geläuterten Geschmacks sein umfangreichstes Werk: «Das Reich des Schöneno (Berl. 1878). Im J. 1881 begab er sich zum zweiten male auf überseeische Reisen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 495Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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