Förster (Ernst Joachim), deutscher Kunstschriftsteller, geb. 8. April 1800 in Münchengoßerstädt an der Saale, widmete sich in Jena und Berlin theol. und philos. Studien, seit 1822 aber der Malerei, zu welcher er von Jugend auf durch Neigung, Talent und Vorstudien befähigt war. Er bildeke sich zu München unter Cornelius und wurde bald Nunch in Bonn an den Fresken der Aula und in München an denen der Arkaden des Hofgartens beteiligt, später auch an den enkaustischen Wandbildern des neuen Königsbaues. Allmählich wandte er sich jedoch von der Ausübung der Malerei kunsteschichtlichen Forschungen zu, die durch wiederholte deis en nach Italien, sowie später auch durch Frankreich, England, Belgien, Deutschland gefördert wurden. Die Reihe seiner kunsthistor. und kunsttheoretischen Schriften eröffnete F. mit Beiträgen zur neuern Kunstgeschichtes (Lpz. 1835), denen die Briefe über Malereiv (Stuttg. 1838) folgten. Als musterhaft in ihrer Art können München, ein Handbuch für Fremde und Garddtrehrn (Münch. 1838; 7. Aufl. 1854), das «Handbuch für Reisende in Italieno (Münch. 1840; 8. Aufl. 1865) und das „(Handbuch für Reisende in Deutschlande (Münch. 1847; 2. Aufl. 1852) gelten. F.s bedeutendste kunsthistor. Arbeiten sind jedoch die «Geschichte der deutschen Kunsto (5 Bde., Lpz. 1851—62), die „Denkmale der deutschen Baukunst, Bildnerei und Malereio (Bd. 1—12, Lpz. 1855—69) und die „Vorschule zur Kunstgeschichtes (Lpz. 1862). Auch gab er die von ihm aufgefundenen Fresken des Avanzo (s. d.) in der Kapelle San-Giorgio in Padua (Berl. 1840), sowie die Schrift Leben und Werke des Fra Giovanni Angelico da Fiesoles (Regensb. 1859) heraus und trat 1842 als Mitredacteur von Schorns Kunstblatts ein, für das er schon seit 1831 zahlreiche Beiträge geliefert hatte. Nach Schorns Tode übernahm er die Herausgabe der übersetzung von Vasaris «Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeisterv (6 Bde., Stuttg. 1843—49). Auch schrieb er J. G. Müller, ein Dichter⸗ und Künstlerleben» (St. Gallen 1851), „Rafael, sein Leben und seine Werker (2 Bde., Opz. 1867—68) und «Peter von Corneliuso (2 Bde., Berl. 1874). Als Schwiegersohn von Jean Paul Friedrich Richter hat F. 1826—38 an der Herausgabe von dessen Nachlaß und Briefwechsel den hauptsächlichsten Anteil gehabt. Unter anderm schrieb er von KWahrheit aus Jean Pauls Leben⸗ (Breslau 1827—33) die fünf letzten Bände, verfaßte eine kürzere Biographie des Dichters für die Berl. 1849) und gab den Papierdracheno (2 Tle., Frankf. 1845), sowie «Polit. Nachklänge von Jean Pauly (Heidelb. 1842) und „Denkwürdigkeiten aus dem Leben Jean Paulso (Münch. 1863) heraus. Eigene dichterische Versuche veröffentlichte F. in einem Bändchen «Gedichtes (Lpz. 1854). Nach Beendigung der Denkmale deutscher Kunsto begann F. die (Geschichte der ital. Kunsto, von welcher 5 Bände (Opz. 1869—78) und die „Denkmale ital. Malerei5, von denen 4 Bände (Lpz. 1869—82) erschienen h Bei seinen wiederholten Reisen in Italien hat F. mehrere wichtige kunstgeschichtliche Entdeckungen gemacht. Wie er den Avanzo aus der Vergessenheit ans Licht gezogen, die Wirksamkeit don Roger von der Weide in Italien und den Niederlanden klar gestellt, so führte er mit einem Genälde im Palazzo publico in Genua, und infolge davon als den Urheber bis dahin unbenannter st bedeutender Werke in Brügge, Rouen u.s. w. mn größten Nachfolger der van Eycks, Gerard David, wieder in die deutsche Kunstgeschichte ein. Die wichtigste Tlacltehe 3 auf diesem Gebiete aber war der unwiderlegliche Nachweis, daß eine Altartafel von ausgezeichneter Schönheit vom J. 1505 in Perugia mit Unrecht von Vasari dem Eusebio da San-Giorgio zugeschrieben worden, und daß sie als ein höchst wertvolles Werk Rafaels von Urbino anerkannt werden muß.