FeedFaber (Joh. Lothar, Freiherr von)
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Faber (Joh. Lothar, Freiherr von), hervorragender Industrieller, geb. 12. Juni 1817 zu Stein, einem Dorfe bei Nürnberg, ist der Urenkel von Kaspar F., der sich 1760 daselbst niederließ und 1761, wenn auch in kleinem Maßstabe, die Fabrikation von Bleistiften begann. Bei des letztern Tode ging das Geschäft zunächst auf dessen Sohn Anton Wilhelm F. (nach welchem sich die Firma noch gegenwärtig benennt) über, der es 1810 auf Georg Leonhard F., den Vater Lothars, vererbte. Nachdem sich Lothar bis zum 19. Jahre in Nürnberg eine gute Vorbildung erworben, ging er 1836 nach Paris, wo sich ihm Gelegenheit bot, großartig entwickelte Industrie-und Verkehrsverhältnisse kennen zu lernen. Nach dreijährigem Aufenthalt in Frankreich und einer Reise nach London rief ihn der Tod seines Vaters nach Deutschland zurück, wo er 1839 die Leitung des väterlichen, damals nur 20 Arbeiter beschäftigenden Etablissements antrat. F. verlieh nun dem Unternehmen einen höhern Schwung, indem er von der Fabrikation der billigern zu der von feinern Bleistiftsorten mit höhern Preisen überging. Besonders waren es nächst den sog. Künstlerstiften die Polygrades-Stifte, die sich bald in der Künstlerwelt ropen Beifalls erfreuten. Um den Vertrieb vom nürnberger Handel zu emanzipieren, bereiste er selbst ganz Europa und knüpfte in allen bedeutenden Plätzen direkte Handelsverbindungen an, während er zugleich seinen Fabrikaten immer größere Vollendung zu geben suchte. Jedes Jahr brachte Erweiterungen seines Etablissements zu Stein, dessen zahlreiche Maschinerien teils durch Wasser, teils durch Dampf getrieben werden. Um sich auch in Amerika den Markt zu eröffnen, begründete er 1849 zu Neuyork ein eigenes Haus. Auch zu Paris, London und Berlin wurden von ihm eigene Häuser, und für Osterreich-Ungarn und Rußland Agenturen zu Wien und Petersburg errichtet. Einen weitern Aufschwung nahm die Fabrik durch die Verarbeitung des vorzüglichsten sibir. Graphits, der auf dem Sajanischen Gebirge im südl. Ostsibirien nahe der chines. Grenze entdeckt wurde und in dessen Alleinbesitz sie sich befindet. Nach mehrjährigen Versuchen mit diesem neuen Material betrat die Fabrik 1861 mit den damit gefertigten feinsten Bleistiften den Weltmarkt und schlug mit denselben die engl. Bleistiftindustrie vollkommen. Die Fabrik ist fr ihren Artikel die erste und größte der Welt. Zu der Fabrikation von Bleistiften hat F. die von Schiefertafeln und präparierten Schieferstiften c0, 1 und für dieselbe zu Geroldsgrün bei Kronach, in der Nähe ausgedehnter Lager terhuader Schiefers, ein großartiges Ctablissement gegründet. F. beschäftigt in seinen Fabriken jetzt mehr als 1000 Arbeiter. Er wurde 1864 zum lebenslänglichen Mitglied des Bayrischen Reichsrats ervannt und 1881 vom 965 von Bayern in den ½ Freiherrenstand des . 25. da erhoben. Vgl. Die Bleistiftfabrik von A. W. Fa Stein bei Nürnberge (Nürnb. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 502Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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