Fairfax (Thomas, Lord), General der Parlamentstruppen in England zur Zeit der bürgerlichen Kriege unter Karl I., aus alter, begüterter Familie, wurde im Jan. 1611 zu Denton in der Grafschaft Nork geboren, studierte in Cambridge und diente dann als Freiwilliger in Holland unter Lord Vere. Nach seiner Rückkehr ins Vaterland trat er der Op-Riggan gegen Karl I. bei, wurde, als der Bürgerieg ausbrach, Kommandant von Hull, das er mit Mühe dem Parlament erhielt, bis ihm Cromwell Luft machte, und erhielt nach dem Siege der Independenten mit der Selbstentäußerungsbill den Oberbefehl über das ganze Heer (28. Jan. 1645). Doch sehr bald gewann Cromwell, der F. mit dem Titel eines Generallieutenants beigegeben war, in allem [den beherrschenden Einfluß. Durch dessen Anstrengungen siegte F. in der Schlacht bei Naseby (14. Juni 1645) gegen Karl I., unterwarf sich alles Land westlich von London, zog dann nach dem Süden, blockierte Exeter, nahm Bristol und mehrere andere Städte, endlich auch das feste Oxford. Zwar entkam der König, um sich den Schotten in die Arme zu werfen, war aber nun ohne Heer und ohne festen Platz in England. Als F. in London angekommen, übertrug ihm das Parlament die überbringung der Summe, welche die Schotten für die Auslieferung des Königs erhielten. Am 30. Jan. 1647 nahm den König in Empfang und geleitete ihn nach Holmby. Unmittelbar darauf brach der Konflikt zwischen Heer und Parlament aus. F., von Cromwell und dem independentischen Ungestüm der Soldaten vorwärts gedrängt, erklärte sich gegen die herrschende presbyterianische Partei, die das Heer teilen und verkleinern wollte, erzwang den Einlaß in London und die Unterwerfung der Gegner und erschien, zum Konstabler des Tower ernannt, als Herr der Geschicke Englands. Die neue Flucht und Gefangennahme des Königs, der zweite Bürgerkrieg brachten F. mit Cromwell zu immer entschiedenerer republikanischer Haltung; den Gewaltakten der Independenten gegen das Parlament versagte er nicht seinen Degen; aber als er in das Tribunal gewählt wurde, das über Karl I. aburteilen sollte (1. Jan. 1649), kam er nicht in die Sitzung, und seine Gemahlin, die auf der Galerie erschienen war, legte für ihn Protest ein. Dennoch beteiligte er sich an der Regierung der Republik. Er ward Mitglied des Staatsrats, unterdrückte die Verschwörung der Levellers, nahm ein ansehnliches Geldgeschenk an, räumte aber nach dem Triumph Cromwells über Irland vor der schott. Expedition diesem den Oberbefehl ein und zog sich in das Privatleben zurück. Von da ab beginnt die Wendung in F. Leben. Aus einem Republikaner ward er zum Royalisten. Um die Einsetzung Karls II. zu bewirken, bereitete er Ende 1659 im Norden einen Aufstand vor und empfing an. 1660 Monk, als dieser die schott. Grenze überchritten hatte. Von der Grafschaft Vork ins Parlament gewählt, befand er sich 1660 an der Spitze der Abgeordneten, die nach dem Haag gesandt wurden, um Karl II. zu veranlassen, so schnell als möglich die Ausübung der königl. Gewalt 1 übernehmen. Nach der Auflösung dieses Parlaments begab er sich auf seine Güter und starb 12. Nov. 1671. Er hat unter andern Schriften auch Memoirs (Lond. 1699) hinterlassen. Sein Briefwechsel gab Robert Bell heraus als F. Correspondencen, (4 Bde., Lond. 1848—49). Vgl. Markham, „Life of the great Lord F. (Lond. 1870). Die Familie F. wanderte später nach Nordamerika aus und ließ sich in Virginien nieder, wo noch jetzt mehrere Ortschaften ihren Namen führen, darunter das in dem Secessionskriege oft genannte Fairfax-Courthouse. Zu derselben Familie gesirr Edward F., der in der engl. Litteratur durch eine vortreffliche Übersetzung von Tassos ⸗Befreitem Jerusalem » (1600; neueste Aufl., Lond. 1853) bekannt ist. Er war ein natürlicher Sohn des Sir Thomas F. auf Denton und starb nach 1631.