FeedFalaise
ErdkundeBrockhaus 1882

Falaise, Stadt und Hauptort eines Arrondissements im franz. Depart. Calvados, 34 km im SSoO. von Caen an der zur Dives fließenden Ante, in 133 m Höhe, malerisch auf Klippen (Falaisen) gelegen, ist Station der Linie Cou 915400 8180 Ge der Französischen Westbahn, zählt (1876) 8120 (Gemeinde 8428) E. und ist ein lang ausgedehnter, wischen Wäldern, Weiden und Obstpflanzungen sch hinziehender sehr gewerbreicher Ort. Derselbe ist Sitz einer Unterpräsettur, eines Tribunals erster Instanz, eines Handelstribunals, einer Bibliothek von 20600 Bänden, eines Kommunal-Collége und einer Ackerbaugesellschaft, hat berühmte Bonneterien (4000 Stühle), Färbereien, Gerbereien, Baumwollspinnereien, Woll- und Baumwollwebereien und Maschinenbauanstalten. Im August findet in der Vorstadt Guibray ein berühmter Pferde- und Maultiermarkt, verbunden mit Pferderennen, statt. Von dem alten berühmten seneoed mit 14türmiger Mauer umgeben, stehen noch sehr bedeutende Ruinen: der Donjon, aus dem 11. und 12. Jahrh., ein im 15. Jahrh. durch den Engländer Talbot angebauter, 40 m hoher dicker Turm (beide in der neuesten Zeit restauriert); ferner sind bemerkenswert ein Thor aus dem 13. Jahrh., zwei interessante Kirchen des Mittelalters: Trinité (13. bis 16. Jahrh.), St.⸗Gervais (11. bis 14. Jahrh.), Ruinen der 1127 gegründeten Augustinerabtei St.⸗Jean und eine 1851 errichtete Reiterstatue Wilhelms des Eroberers. Der interessanteste Punkt der malerischen Umgegend ist die Broche-au-Diable. — Der Ort (Ealesia im Pagus Oxismensis), dessen Schloß im 11. Prachdurch Richard I. und dessen Sohn Robert den Prächtigen oder den Teufel bedeutend eSsrabere worden ist, ist der Geburtsort Wilhelms des Eroberers. Dieser befestigte, verschönerte und bereicherte seine Geburtsstadt. Dieselbe kam unter Philipp II. August an die Krone, 1419 wurde sie von den Engländern, 1450 wieder von den Franzosen genommen. Die Handelsblüte der Stadt wurde ferner durch Ludwig XI. und dessen Nachfolger gefördert. In den Religionskriegen hatte sie wiederholt zu leiden. Heinrich IV. nahm das Schloß mit Sturm. Vgl. F. Galeron, Mistoire et description de F.o (1827); Ruprich-Robert, „Le Chateau de F.v (1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 533Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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